Pläne des Münchner Theaters der Jugend für 2008/09

München - "Wer jammert, kommt ins Heim", lautet ein Satz, mit dem man sich an der Schauburg, dem Münchner Theater der Jugend, bei Laune hält. Intendant George Podt jedenfalls muss nicht ins Heim, denn er hat wenig zu jammern - mit über 95 Prozent Auslastung in dieser Spielzeit und mit 40 000 Zuschauern, von denen zirka 85 Prozent auch wirklich Jugendliche sind.

Der Schuh drücke einzig bei den Einsparungen, die das kleine Theater als Teil des Eigenbetriebs Münchner Kammerspiele erbringen muss und die es nicht wieder ins eigene Haus stecken darf.

Trotzdem haben Podt und seine Chefdramaturgin Dagmar Schmidt für die kommende Saison wieder ein spannendes "Breitbandangebot" zusammengestellt. Weil sie gerne spartenübergreifend arbeiten, ist die erste Premiere (15. Oktober) denn auch eine Tanzvariation. Andreas Denk choreographiert "John Maynard" nach Theodor Fontanes Ballade und eröffnet damit zugleich - im Rahmen des Festivals "Dance" - die Reihe "Dance for kids" mit Gastspielen aus Stuttgart, Utrecht, Amsterdam und Berlin.

Gerade weil manche Kinder schwer über die Literatur selbst zu erreichen seien, nutze das Schauburg-Ensemble bewusst den Tanz als "Brücke ins Theater".

 Auch das Musiktheater wird wieder (ab 4. Dezember) seinen Platz in dem Haus am Elisabethplatz haben: Bei einer Produktion der "Kids4Kids World Foundation", die unter anderen der Dirigent Christoph Poppen unterstützt, treten musikalisch begabte Kinder für in Not geratene Altersgenossen auf.

Einer 1908 geborenen, einstigen Nachbarin der Schauburg widmet sich das Rechercheprojekt "Olga, eine Frau" (13. 11.): Die antifaschistische Widerstandskämpferin Olga Benario aus Schwabing starb mit 34 Jahren im Konzentrationslager Bernburg. Ein durchaus tragikomisches Stück über Scheidungskinder wird die Schauspielerin und Regisseurin Jule Ronstedt mit "Du, Du & Ich" inszenieren (8. 1. 2009). Zusammen mit der Bad Tölzer Band "Bananafishbones" bringt Gil Mehmert E.T.A. Hoffmanns "Das Fräulein Scuderi" auf die Bühne (18.4.09) und Alexander May beschäftigt sich in Edward Bonds "Gerettet" mit Jugendgewalt (13.6.09).

Mit "Alle Tiere dieser Welt" bekommen Theaterbesucher ab vier Jahren auch wieder eine Puppentheaterproduktion (März 2009).

 Ob Podt über seinen Vertrag (bis 2010) hinaus bleibt, wird gerade verhandelt. Fest steht, dass er Interesse hat und sich auf die Zusammenarbeit mit dem designierten Kammerspielechef freuen würde: Die Niederländer Johan Simons und Podt sind alte Theaterweggefährten.

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