US-Comedy-Legende Jerry Lewis ist tot

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Planschen im Kunstmüll

München - Was ist der ganze Kunstbetrieb wert? Nichts, wenn man dem britischen Autor Mark Ravenhill folgt. Berühmt geworden vor zehn Jahren mit dem Titel "Shoppen und Ficken", widmet er sich in seinem neuesten Stück, "pool (no water)", der zeitgenössischen Kunstszene.Er stellt ihre Protagonisten dar als abgedrehte, vom Neid zerfressene, vom Heroin debilisierte, letztlich aus ihrer missgünstigen Kleinbürgerlichkeit nie herausgekommene Typen. Da sie sich in einem Moment selbst erkennen: ein Aufschrei antikischen Ausmaßes. Kläglich die Anmaßung und Inanspruchnahme der attischen Tragödie fürs kleine eigene Leben.

Ein Stück, vier Personen ­ der kümmerliche Rest eines einstigen Künstlerkollektivs. Mit Argusaugen beobachten sie Ruhm und Reichtum einer, die die Gruppe verlassen hat. Und als das Unglück passiert, der fast tödliche Sprung der Erfolgreichen in den leeren Pool, nutzen die Vier die Gelegenheit, um daraus Kapital zu schlagen.

Miese kleine Künstlerseelen: Autor Ravenhill kokettiert mit der Schonungslosigkeit seiner Darstellung. Als habe er ein Insiderstück geschrieben und darüber hinaus eins, das die ästhetischen Fragen von Kunst und Künstler behandeln würde. Tut es natürlich nicht. Das nämlich ist nur die Oberfläche, der Anschein bloß. Dahinter verbirgt sich nichts weiter als ein gut geschriebenes Stück Boulevard (ist ja immerhin auch nicht zu verachten). Ein Text mit Sogwirkung, Witz und Ironie. Nach der deutschsprachigen Erstaufführung in Zürich hatte "pool (no water)" jetzt am Bayerischen Staatsschauspiel, im Münchner Marstall, seine deutsche Erstaufführung.

Florian Boesch inszenierte es zu Recht als ein lachhaftes Kinderspiel, als einen mit Bedeutung aufgeblasenen Luftballon. Gelungen ist ihm dabei ein in seiner Klischeehaftigkeit tragikomisches Typenkabinett. Noch bevor das Spiel beginnt: Kinderlärm aus dem Off. Dann stürmen etwa acht kleine Gören mit drei Garten-stühlen und einem Kinderwagen die Szene. Ein Geschenkkarton in der Mitte, heraus kommt ein Planschbecken, der Pool sozusagen.

Jetzt treten die vier Darsteller auf, mit billigen Tiermasken vor dem Gesicht ­ Affe, Schwein, Frosch und Maus. Sie verjagen die Kinder, beginnen ihr Spiel. Und das ist rückwärtsgewandt. Keine Gegenwart. Sie erzählen die Geschichte des Pool-Unfalls der Freundin, wie sie sich daran labten, wie sie mit der Videokamera den geschundenen Körper der Verunglückten zum Objekt werden ließen. Und wie sie am Ende doch die Dummen waren.

Das geschieht hier so grell, so aktionistisch, so albern und wenig ernst genommen ­ im Bühnenbild von Stefan Hageneier, der mit den Malereien aus einem See von roter Farbe eine Performance der besonderen Art schafft ­, dass dem Team um Boesch ein heiter-ironischer, kurzweiliger Abend gelungen ist.

Schauspieler in totaler Verrücktheit: Das sind in diesem Fall die glänzend überdrehte Sophie von Kessel, die für extreme Entäußerungen immer zu habende und hier wunderbare Ulrike Willenbacher, der in seiner Skurrilität so filigrane Michael Tregor. Und Michael von Au, der in der Rolle einer alternen, blondmähnigen Künstlertucke mit der Sehnsucht nach Freiheit und Nacktheit als grandios komisches Talent zu entdecken ist.

Am Ende: Aus der Traum, die Luft ist raus, das Planschbecken sackt in sich zusammen. Die Bühne ist völlig eingesaut, der Boden glitschig. Farbe, Bildwand, Papierrollen, Computerausdrucke. Kunstmüll? Eins der Kinder vom Anfang tritt auf, ruft die Erwachsenen zur Ordnung.

Ohne plakativ zu sein, fragt diese Inszenierung schon auch nach dem eigenen Stellenwert. Mit Selbstironie und Komik. Das macht sie sehenswert und sympathisch.

Nächste Vorstellungen: 10., 16., 17. Juli

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