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Sie stellten die Saison 2018/19 an den  Kammerspielen vor (v. li.): Intendant Matthias Lilienthal, Hausregisseur Chris topher Rüping, Regisseurin Susanne Kennedy, Choreograf Trajal Harrell sowie Pressesprecherin Katrin Dod.

Intendant stellt die Premieren für die Spielzeit 2018/19 vor

Das plant Matthias Lilienthal für die Münchner Kammerspiele

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Intendant Matthias Lilienthal hat am Mittwoch seine Pläne für die Münchner Kammerspiele in der Spielzeit 2018/19 vorgestellt. Zum Start im Oktober inszeniert Hausregisseur Christopher Rüping des zehnstündige Antiken-Spektakel „Dionysos Stadt“. 

Nein, Matthias Lilienthal möchte sich an diesem Vormittag nicht zu seiner Ankündigung äußern, die Münchner Kammerspiele 2020 zu verlassen. Nur eines ist dem Intendanten bei der Präsentation seines Spielplans für die Saison 2018/19 wichtig: „Man könnte denken, dass ein Theater anfängt, sich bescheiden zu geben, wenn ihm Wind entgegenschlägt.“ Das sei aber „nicht so ganz unsere Art. Wir haben uns gedacht, wir machen ein Projekt, mit dem wir so richtig schön auf die Nase fliegen können.“

Deutschsprachige Erstaufführung von „Vernon Subutex“

Deshalb ist die erste große Premiere der neuen Spielzeit das Antiken-Projekt „Dionysos Stadt“ von Christopher Rüping. Mit acht Darstellern will der Hausregisseur den dionysischen Kult der griechischen Antike ins Schauspielhaus an der Maximilianstraße bringen. „Ich erhoffe mir“, sagt Rüping, „einen Tag der Dionysien für die Stadt München neu zu erfinden.“ Zehn Stunden soll sich seine Inszenierung dafür Zeit nehmen – schließlich seien „acht Stunden schon ein normaler Castorf“, wie Lilienthal anmerkt.

Kommt neu ins Ensemble der Kammerspiele: Eva Löbau, die viele Fernsehzuschauer aus dem Schwarzwald-„Tatort“ kennen. 

Der Intendant bleibt sich auch in seiner vorletzten Münchner Spielzeit treu: Von den 13 Produktionen, die 2018/19 am Haus neu herauskommen, sind sieben Uraufführungen. Experimentell wird es bereits am 4. Oktober bei der Inszenierung „Unheimliches Tal“ – Darsteller ist ein humanoider Roboter, ein von 36 Servomotoren angetriebenes Duplikat des Schriftstellers Thomas Melle („Die Welt im Rücken“). Die Arbeit von Stefan Kaegi will untersuchen, was geschieht, wenn ein Mensch kopiert wird.

Außerdem verspricht die deutschsprachige Erstaufführung von „Das Leben des Vernon Subutex“ nach Virginie Despentes’ Trilogie besonders spannend zu werden. Die Autorin erzählt darin virtuos, klug und unterhaltsam vom Abstieg der französischen Mittelschicht; ihre Romane zählen zu den faszinierendsten, die die französische Literatur in jüngster Zeit hervorgebracht hat. Stefan Pucher bringt dieses Sittengemälde unserer Zeit im März 2019 auf die Theaterbühne.

„Tatort“-Schauspielerin Eva Löbau kommt ins Ensemble

Drei Neuzugänge gibt es im Ensemble der Kammerspiele: Gro Swantje Kohlhof, die etwa in dem sehr guten Kinofilm „Wir sind jung. Wir sind stark.“ mitwirkte, Vincent Redetzki, der regelmäßig im Magdeburger „Polizeiruf 110“ zu sehen ist, und Eva Löbau. Die Fernsehzuschauer kennen die Schauspielerin vor allem als Kommissarin im „Tatort“ aus dem Schwarzwald.

Am Ende dieses Vormittags sagt Matthias Lilienthal dann doch noch etwas zu seinem Abschied 2020: „Seit meiner Ankündigung ist die Platzausnutzung um zwei Prozent angestiegen.“

Die Premieren 2018/19 im Überblick:

„Unheimliches Tal/ Uncanny Valley“ 

von Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) mit Thomas Melle; Uraufführung: 4. Oktober

„Morning in Byzantium“ 

Choreografie/Regie: Trajal Harrell; Uraufführung: 5. Oktober

„Dionysos Stadt“ 

Regie: Christopher Rüping; Premiere: 6. Oktober

„#Genesis“ 

Regie: Yael Ronen; Uraufführung: 28. Oktober

„Macbeth“ von William Shakespeare 

Regie: Amir Reza Koohestani; Premiere: Dezember 2018 

„Kommt runter vom Balkon, sonst holt Euch der Vietcong“ 

von Rabih Mroué; Uraufführung: Dezember 2018

„Yung Faust“  nach Johann Wolfgang Goethe 

Regie: Leonie Böhm; Premiere: Januar 2019

„Der Erfolg“ von Olga Bach nach dem Roman von Lion Feuchtwanger 

Regie: Ersan Mondtag; Uraufführung: Januar 2019

„Das Leben des Vernon Subutex“ nach der Roman-Trilogie von Virginie Despentes 

Regie: Stefan Pucher; Premiere: März 2019 

„Farm fatale“ 

Regie: Philippe Quesne; Uraufführung: März 2019

„Drei Schwestern“ von Anton Tschechow 

Regie: Susanne Kennedy; Premiere: April 2019

„Hochdeutschland“ nach Alexander Schimmelbusch 

Regie: Christopher Rüping; Uraufführung: Mai 2019

„Melancholia“ von Lars von Trier 

Regie: Felix Rothenhäusler; Premiere: Juni 2019

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