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Oliver Reese leitet von nächster Spielzeit an das Berliner Ensemble.  

Pressekonferenz des neuen Intendanten

Das plant Oliver Reese fürs Berliner Ensemble

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Oliver Reese, der neue Intendant des Theaters am Schiffbauerdamm, stellte die Pläne und das Personal für seine erste Spielzeit als Chef des Berliner Ensembles vor. Wir haben mit dem 53-Jährigen vorab gesprochen.

Berlin – Wenn Oliver Reese als neuer Intendant des Berliner Ensembles (BE) im September die Spielzeit 2017/18 eröffnet, ist er nicht wie der designierte Volksbühnenchef Chris Dercon (59) als Fremder und Theater-Frischling in die Stadt gekommen. Nach acht Jahren als Chef des Schauspiels Frankfurt kehrt der 53-Jährige nun nach Berlin zurück, wo er einst eineinhalb Jahrzehnte lang zunächst am Gorki-, dann am Deutschen Theater als Chefdramaturg, Autor und Regisseur wirkte. Begonnen hat er allerdings am Münchner Residenztheater und zwar in den Achtzigerjahren als Assistent der Regie und Dramaturgie.

Claus Peymann verlässt das BE schweren Herzens

Das Theater am Schiffbauerdamm, Heimat des Berliner Ensembles. 

Nun zieht er in das ehemalige, noch immer weltberühmte Brecht-Theater ein, das Vorgänger Claus Peymann (79) im Sommer schweren Herzens verlässt. Die Skeptiker, die fürchten, es könne wie an der Volksbühne auch am BE alles ganz anders werden, möchte Peymann-Nachfolger Reese beruhigen: „Einen Strukturwandel wird es mit mir nicht geben. Das neue Berliner Ensemble wird ein Repertoirebetrieb und ein Ensembletheater bleiben – mit 28 fest engagierten Schauspielern. Und einem Hausregisseur.“

Für diese Position konnte er Michael Thalheimer gewinnen, der zwei Inszenierungen pro Jahr am BE herausbringen wird. „Besonders stolz bin ich darauf, dass Frank Castorf in jeder Saison ein Stück bei uns machen will. Wir sind für fünf Jahre verabredet“, klopft sich Reese anerkennend selbst auf die Schulter. Neben diesen „Alten“ werden kontinuierlich die „interessanten Jungen“ bei ihm arbeiten. Das sind die Regisseure Antú Romero Nunes, David Bösch, Ersan Mondtag. Die Frauenquote in der Regie sichern Mateja Koležnik aus Slowenien – am Residenztheater hatte sie mit „König Ödipus“ und „Nora oder Ein Puppenheim“ auf sich aufmerksam gemacht – sowie Ola Mafaalani aus den Niederlanden. „Unser Schwerpunkt liegt auf den Stücken lebender Autoren“, erklärt Reese. „Auf einen ,Don Carlos‘ oder eine ,Maria Stuart‘ wird man lange warten müssen.“

16 Premieren plant Reese für die erste Spielzeit

Geplant sind fürs erste Jahr 16 Premieren, davon einige Klassiker der Moderne. Es wird eine Autorenwerkstatt geben, geleitet von Schriftsteller Moritz Rinke. Reese: „Wenn wir nur darauf warten würden, dass die Autoren auf uns zukommen, könnten wir lange warten. Wir holen sie ins Theater rein. Wir wollen es ihnen schmackhaft machen, wir möchten sie verführen, dabei zu sein. Zum Beispiel wird Dirk Kurbjuweit vom ,Spiegel‘ für uns sein erstes Stück schreiben.“ Das gilt ebenso für Olga Grjasnowa, die bislang als Romanautorin („Die juristische Unschärfe einer Ehe“) auf der Bühne des Gorki Theaters ihren Auftritt hatte.

Fest verabredet ist man auch mit dem jungen Alexander Eisenach und dem aus dem Kongo stammenden Dieudonné Niangouna.

Spielzeiteröffnung ist am 21., 22. und 23. September mit drei Premieren: Albert Camus’ „Caligula“ mit Constanze Becker in der Titelrolle, inszeniert von Antú Romero Nunes; „Nichts von mir“ des Norwegers Arne Lygre mit Corinna Kirchhoff und Judith Engel (Regie: Mateja Koležnik) und – „das darf nicht fehlen“, so Reese – Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“ in der Regie von Michael Thalheimer. Mit der Rolle der Grusche gibt die österreichische Schauspielerin Stefanie Reinsperger, der schon beim Theatertreffen 2015 die Herzen der Berliner zuflogen, ihren Einstand am BE. Im Sommer wird die 29-Jährige zunächst allerdings noch als neue Buhlschaft bei den Salzburger Festspielen zu erleben sein.

Das sind Namen von vier starken Schauspielerinnen. Aber auch mit starken Männern kann Reese aufwarten – beispielsweise mit Ingo Hülsmann und Nico Holonics, der vor zehn Jahren seine Karriere am Münchner Volkstheater begann („Don Carlos“, „Richard III.“).

Weitere Premieren sind etwa „Eine Frau“ von Tracy Letts (Regie: David Bösch), „Krieg“ des Münchner Autors Rainald Goetz, Victor Hugos „Les Misérables“ in der Bühnenfassung und Regie von Frank Castorf. Das Stück „Die Kinder des Paradieses“ („Les enfants du paradis“) basiert auf dem französischen Film von 1943/44 (Drehbuch: Jacques Prévert) und den politisch schwierigen Bedingungen seiner Entstehung (Regie: Ola Mafaalani). Außerdem: „Menschen, Orte und Dinge“ von Duncan Macmillan, „Girls und Boys“ von Dennis Kelly sowie die Dramatisierung von Benjamin von Stuckrad-Barres Autobiografie „Panikherz“, inszeniert vom Intendanten selber.

Jedes Jahr eine neue Brecht-Inszenierung

Und da das Theater am Schiffbauerdamm bis in die Zwanzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts hinein vornehmlich ein Haus für die leichte Muse war, wird auch das im Programm seinen Niederschlag finden. In gewisser Weise versteht sich Reese als Traditionalist, wenn er für seine Intendanz verspricht: „Das Berliner Ensemble wird ein Gegenwartstheater sein mit politischem Anspruch. Das ist die Tradition des Hauses. Wir werden auch jedes Jahr von Herzen gern ein Stück von Brecht herausbringen. Der ist ein Weltstar. Er war zwar nur zwei Jahre an diesem Theater, aber er hat es geprägt.“

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