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Zocken im Casino: Ecco Meineke, Severin Groebner und Beatrix Doderer (v. l.).

„Platze Blase, große Puff!“: Die Premiere von "Ohne Limit"

München - „Ohne Limit“ hat am Mittwochabend Premiere in der Lach- und Schiessgesellschaft gehabt. Ein Blick auf das Stück: 

Das Dach überm Kopf, die Renten, das Plus auf dem Konto, der Frieden – alles kann verloren gehen, wenn Zocker am Werk sind, die nur an den eigenen Profit denken und am liebsten anderer Leute Hab und Gut aufs Spiel setzen. Mitten hinein in die Krise des Euro, mitten hinein in eine Zeit, in der Staaten Pleite machen, hat das neu formierte Ensemble der Lach- und Schießgesellschaft sein erstes Programm platziert. „Ohne Limit“ hatte am Mittwochabend Premiere.

Eine fiktive Spielbank mitten auf dem Bodensee ist der Schauplatz einer Revue rund ums Geld. Die Stimmung ist gut in Bad Leroy Brown, der schöne Schein gehört dazu, wenn’s um die große Kohle geht. Ein Casino wie die soziale Realität – ganz unten stehen die einarmigen Banditen, oben geht’s um Milliarden. Ecco Meineke (er ist als Einziger übrig vom alten Ensemble), Beatrix Doderer und Severin Groebner hantieren mit Couplets und Dialogen wie der Croupier mit den Jetons. Da träumen zwei Revoluzzer davon, die Bank zu sprengen, da outet sich stolz ein Steuerflüchtling, da wird der Sozialbetrug der Unterschichtler für die Kamera inszeniert. Und die Security scheint nicht im Bilde zu sein.

Alles drin in diesem (Rettungs-)Paket – und doch zahlt man am Ende drauf, trotz schöner Schlusspointe. Wenn Beatrix Doderer aus der Tonne heraus die Einebnung der sozialen Unterschiede fordert oder später die Kleinen das Einmaleins des „pecunia non olet“ lehrt, dann wünscht man sich dazu das Charisma einer Sonja Kling, und auch Severin Groebner darf viel zu oft nur Schmäh abliefern, wo Attacke gefragt wäre (Regie: Sven Kemmler). So kämpft Ecco Meineke, dieser ewig kindsköpfige Erzkomödiant, alleine gegen die Defizite dieses Programms an. Am kostbarsten ist sein schräger Houdini, der die Frage, wie eigentlich der Wert einer Währung bestimmt wird, virtuos ad absurdum führt: „Platze Blase, große Puff!“

So müsste der ganze Abend laufen, doch viele gute Ideen gehen unter, weil die schauspielerischen Mittel fehlen. „Ohne Limit“ – leider nur ein begrenzter Spaß.

Weitere Vorstellungen bis Mitte Januar, um 20 Uhr, Telefon 089/39 19 97.

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