„Coconami“ – zwei Japaner in München

Pling-Pling unterm Herrgottswinkel

„Coconami“ sind das außergewöhnlichste musikalische Gespann, das München zu bieten hat: zwei Japaner, die mit der Ukulele und ihrem väterlichen Freund Ferdl steinerweichend schöne Musik machen – ganz egal, ob die Songs nun ursprünglich als Punkrock oder als bairische Kinderlieder gedacht waren.

Wenn dem Schuster Ferdl was nicht in den Kopf will, sieht das lustig aus: Er zwickt dann seine buschigen Brauen zusammen, bis die sanften braunen Äuglein verschwinden. Dann schnaubt er ein schüchternes Lachen in seinen Schnauzbart und schüttelt das silberne Haupt mit Hut. In letzter Zeit gab es so manches, was dem 63-Jährigen nicht in den Kopf wollte: dass seine japanischen Freunde Nami und Miyaji mit „Coconami“ so viel Aufmerksamkeit erregen, zum Beispiel. Dass die sanfte Ukulele-Musik sogar in der New York Times Erwähnung fand („The Ukulele is back!“). Und dass er selbst noch mal auf Japan-Tournee gehen würde: „Vor die Leut’ stehn und mitsinga. So eine Wärme, so ein Interesse.“ Schuster schnaubt.

„Coconami“ sind eine Rarität: weil Nami Kashiwagi (34) und Mitsuyoshi Miyajima (41, Spitzname Miyaji), verbinden, was angeblich nicht zusammengehört. München und Tokio. Herrgottswinkel und Osaka-Highschool. Punk und bairische Kinderlieder.

Überhaupt diese Ukulele. Mit deren putzigem Pling-Pling verbindet man höchstens Spaß-Brutalo Stefan Raab. Ein schlechteres Image haben höchstens Blockflöte oder Melodika – und natürlich verwenden „Coconami“ auch diese ausgiebig. Die Musik, die dabei herauskommt, ist allerdings keineswegs kindisch. Sie klingt vielleicht wie der Traum eines Kindes, nicht zuletzt wegen Namis anmutiger Alt-Stimme, die einen umfängt wie das Fruchtwasser im Mutterleib. „Wir versuchen, so viele Instrumente wie möglich zu benutzen und dabei den Klang zu reduzieren“, sagt Nami.

Man sollte bloß nicht den Fehler machen und die beiden fragen, ob sie ein bestimmtes Konzept verfolgen – man riskiert sonst, dass ihr Freund Ferdl in seinen Schnauzer schnaubt. „Konzept klingt so ausgedacht“, sagt er. Das japanisch-bairische G’wachs ist kein windiger Gag, es brauchte Zeit, zu reifen. Miyaji sagt: „Es ist einfach passiert.“

Was da passiert ist, hätten sich die Marketing-Strategen einer Plattenfirma nicht schöner ausdenken können. Ferdl ist Japan-Fan, seit er sich in den 60er-Jahren für die „Sieben Samurai“ des Regisseurs Akira Kurosawa begeisterte. „Ich hab mir alles neizuzelt, was japanisch war.“ Und als er im reifen Alter beschloss, „noch mal was anderes zu machen“, konnte das Resultat nur so aussehen: Er eröffnete das bayrisch-japanische Wirtshaus „NoMiYa“ („Bierstüberl“) an der Wörthstraße. Bereits hier, zwischen 200 Jahre alten Eckbänken aus dem Bayerischen Wald, wehte ein Hauch „Coconami“: Schweinsbraten traf auf Sushi, Weißbier auf Reiswein. Und Miyaji traf Nami.

Ursprünglich war es die Sehnsucht nach Schwarzbrot, die den gelernten Bäcker Miyaji Mitte der 90er nach Bayern gelockt hatte. Doch in der Backstube hielt es ihn nicht lange – der Gitarrist lernte auf Hawaii die Ukulele lieben. „Ich habe das Gitarrespielen verlernt“, grinst er. „Und Brot habe ich seit sechs Jahren nicht gebacken.“ Dafür trat er regelmäßig in Ferdls Sushi-Weißwurst-Biotop auf – auch als Nami vor vier Jahren dort war.

Eine klassisch ausgebildete Sängerin, die ihre studierte Stimme aber nicht leiden konnte. „Es war nicht meine Natur-Stimme.“ Sie sattelte auf Musiktherapie um. Heute arbeitet sie in Wasserburg in der Psychiatrie, bringt ihren Patienten das Ukulelespielen bei. „Die Therapie und ,Coconami‘ beeinflussen sich gegenseitig.“

Genau wie die Musiker: Es ist faszinierend, wie sie harmonieren, die würdevolle, elfengleiche Nami und der quirlige Witzbold Miyaji, der während des Gesprächs schon mal „Rock You Like A Hurricane“ von den Scorpions anstimmt. Alles, was sie anpacken, wird „Coconami“: die wüsten Punk-Kracher der Ramones, („Blitzkrieg Bop“ oder „Sheena Is A Punk Rocker“) genauso wie japanische Weisen, italienischer Schlager und Lieder wie „Mir fahr’n mit da Zilln übern See“, die Schuster singt. Was als bairisch-japanische Stubenmusik begann, lernt die Welt nun auf CD kennen.

Ferdl ist kurz eingenickt. Jetzt schreckt er hoch: „Wir müssen noch den Flug buchen.“ „Coconami“ fliegen im Februar nach New York – ein Gastspiel für Freunde. Ob die Auftritte so umjubelt werden, wie die Japan-Tour vergangenes Jahr? „Die Mädels waren hin und weg von Ferdl“, sagt Nami lachend. „Und meine Großmutter auch.“ Der Geehrte schnaubt peinlich berührt. „Ich hatte halt an, was ich immer anhab’: Tracht.“

Überhaupt: Ferdl schaut halt mal, wie es ihm zeitlich ausgeht. Ganz will er nicht einsteigen bei „Coconami“. „Ich will mich da nicht reindrängen.“ Doch dann gibt er zu: „Natürlich freut mich der Erfolg.“ Wundern tut er ihn nicht. „Was ,Coconami‘ machen, geht z’amm, weil es gradaus ist. Es hat von Haus aus einen Anstand.“ Und dann verschwinden die sanften braunen Äuglein wieder, und Schuster schnaubt. „Tokio, New York – da lach’ i doch.“

Coconami spielen live

am 20.12. im „Hausmunik“, Pariser Straße 22.

„Coconami“ ist bei Trikont erschienen.

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