Und plötzlich kein Wort

- Sam, frisch gebackener Psychiater, hätte seine Mutter Jane als Kind am liebsten auf den Mond geschossen: Jane, Alt-Hippie und Rockmusik-Produzentin, lebte immer unkonventioneller als andere. Sam suchte sobald wie möglich das Weite. Studium an der Ostküste, Verlobung mit der reichen, aber zickigen Alex (Kate Beckinsale). Doch jetzt muss der Harvard-Absolvent seine erste Stelle antreten - ausgerechnet in Hollywood. Kein Problem, für die Übergangszeit wohnen Sam und Alex eben in Mamas Villa mit Tonstudio und einer Horde von kiffenden Rockmusikern.

<P>Man teilt sich Haus und Pool, und bald zeigt es sich, dass die lockere Lebensart Kaliforniens diesen braven Medizinern den Ostküstenmuff aus den Kleidern bläst. Schnell lässt sich die spröde Alex von ihrer Dissertation über Fruchtfliegen weglocken und sitzt mit der Band beim Grasrauchen im Plattenstudio. Die gelackte Hülle des gediegenen Bürgertums platzt ab, und die Bekanntschaft Sams mit einer Kollegin (Natascha McElhone) verbessert die Beziehung der beiden Verlobten auch nicht unbedingt. Es wird geredet und geredet, gequatscht und gequatscht. Doch die wirklich entscheidenden Veränderungen illustriert ausschließlich die exakt geführte Kamera von Wally Pfister. Da fällt plötzlich kein Wort mehr. </P><P>Dies ist nur einer der kleinen Kunstgriffe, mit denen die Regisseurin Lisa Cholodenko ihrem anfangs vor allem komödiantischen Spielfilm souverän eine universelle Bedeutung verleiht. Unspektakulär sind die kurzen Episoden einer gescheiterten Mutter-Sohn-Beziehung, die hier intelligent aneinander gereiht werden. Die meisten Gags resultieren erwartungsgemäß aus dem Konflikt zwischen dem biederen Sprössling und der mannstollen Mutter. Man muss daher besonders die schauspielerische Leistung von Christian Bale hervorheben, der neben der omnipräsenten, vor Charme fast berstenden Frances McDormand locker bestehen kann. Darüber hinaus erzählt "Laurel Canyon" durch den sympathischer werdenden Sam auch eine weitere Geschichte. Die über ratlose Kinder, deren Eltern sich standhaft weigern, erwachsen zu werden. Im Kontrast der coolen Produzentin mit ihrem innerlich zerrissenen Sohn zeigt sich deutlich eine negative gesellschaftliche Ausprägung der Lebensphilosophie der 68er-Generation. (In München: Mathäser, Marmorhaus, Karlstor, Museum i. O.)</P><P>"Laurel Canyon"<BR>mit Christian Bale, Frances McDormand, Natascha McElhone<BR>Regie: Lisa Cholodenko <BR>Sehenswert </P><P> </P>

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