Plötzlich wird's ein Opernhaus

- Festspiele all überall. An diesem Donnerstag startet zum achten Mal auf Gut Immling im Chiemgau Ludwig Baumanns Internationales Musikfestival (1.7.-1.8.). Den Auftakt macht Verdis "La Traviata" in der Regie von Detlef Sölter. Die Violetta kommt aus Uruguay, es ist Luz del Alba Rubio.

<P>Über die Kompliziertheit ihres Namens amüsiert sich die junge Sängerin selbst: Ihr Nachname lautet einfach Rubio, ihr Vorname Luz del Alba. Sie fand das nicht immer praktisch, hießen doch ihre Freundinnen schlicht Maria, Anna oder Laura. Für die meisten ist sie denn auch einfach Luz. Und es gibt nur wenige Menschen, die sie mit ihrem langen Vornamen nennen, beispielsweise Placido Domingo.<BR><BR>Er war der Auslöser, dass sie Sängerin wurde und im Ausland Karriere macht. "Es gibt in Uruguay keine Tradition, was den Export von Gesangssolisten betrifft. Wir exportieren Fußball, Fleisch und Leder, aber keine Sänger." Sie sei die einzige Sopranistin ihres Landes, die international Karriere mache. Zu Hause habe es nur Volkslieder und Radio gegeben. "Für mich war allerdings früh klar, dass ich mich über das Singen am besten ausdrücken kann. Mit 16 sah ich dann im Kino ,Otello mit Placido Domingo und Mirella Freni, und ich sagte: Mein Gott, genau das will ich, eine Schauspielerin sein, die singt. Der Begriff Opernsängerin war in meiner Heimatstadt kaum bekannt."<BR><BR>Vorsingen bei Domingo</P><P>Drei Jahre musste Luz del Alba Rubio warten. Dann, nach der Highschool in Montevideo, begann sie mit der Ausbildung, wurde Mitglied in einem lateinamerikanischen Barockmusikchor, mit dem sie 1992 auf Europatournee ging. Die letzte Station war die Schweiz. Sie blieb in Genf und begann, Gesang zu studieren: eine Rückkehr auf den Kontinent ihrer Vorfahren, die väterlicherseits aus Spanien, mütterlicherseits aus Ungarn stammen.<BR><BR>Bereits während ihres Genfer Studiums sang sie im dortigen Opernchor und nach 1994 ging's nach Italien. 1999 sang sie erstmals die Violetta. Das war in Rom, und Domingo war auch gerade im Haus. Günstige Gelegenheit, ihn um einen Vorsingtermin zu bitten. "Und er sagte einfach ,okay. Danach lud er mich für die nächsten drei Jahre ein, bei ihm in Washington zu singen." Zur "Traviata" kam sie übrigens als Einspringerin. In sechs Tagen musste sie damals die Partie der Violetta lernen, in der sie inzwischen erfahren ist.<BR><BR>Und nun Gut Immling im Chiemgau. Erstmals Theater in Deutschland. Etwas überrascht war sie schon, als sie nach Immling kam und die Umgebung sah. Rubio: "Ludwig Baumann macht da etwas Außergewöhnliches. Drei Produktionen in einer Umgebung, die eigentlich so etwas wie ein Stall, also eine Reithalle ist. Und diese Halle wird plötzlich zum Opernhaus, da war ich schon überrascht. Aber die Atmosphäre hier, mit dem vielen Grün und den Bergen, all das ist sehr entspannend. Hier gibt jeder alles, jeder Tag ist ein Work in Progress, und das Team ist international. Und so viel kann ich verraten: Die Szene wird die Basis sein, das Wichtigste bei der ,Traviata ist die Musik, daran wird sich die Inszenierung orientieren."<BR><BR>Violetta wird eine Frau des 20./21. Jahrhunderts sein, eine Frau, die ihr Leben lebe und ihrem Herzen folge: "Eine Frau, die man überall in der Welt finden kann."</P><P>Außer "La Traviata" (ab 1. 7.) gibt es Inszenierungen von Mozarts "Entführung aus dem Serail" (ab 2. 7.) und Beethovens "Fidelio" (ab 16. 7.). Karten unter Tel.: 0180/50 46 654.<BR></P>

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