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Dieter Hildebrandt ist tot: Er starb mit 86 Jahren an Krebs

Reaktionen zum Tod von Dieter Hildebrandt

"Die Stimme der Empörung ist verstummt"

München Die Trauer über den Tod von Dieter Hildebrandt ist groß: Freunde, Wegbegleiter, Politiker - alle eint die Erinnerung an den großen Kabarettisten, der in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in München an einer Krebserkrankung starb. Die Reaktionen:

Die Bestürzung über den plötzlichen Tod von Kabarettist Dieter Hildebrandt in Deutschland ist groß. Hier die ersten Reaktionen von Freunden, Wegbegleitern und aus der Politik:   

Niemand habe die Kabarett-Szene der Bundesrepublik so geprägt wie Dieter Hildebrandt, sagt dessen ehemaliger „Scheibenwischer“-Kollegen Bruno Jonas. „Er war in seiner Art, Kabarett zu machen, Maßstab setzend. Er war einmalig.“ Die Zusammenarbeit mit Hildebrandt sei sehr prägend gewesen. „Wir haben sehr viel miteinander geschrieben, gedacht, gesponnen, diskutiert, debattiert.“ Er habe an Hildebrandt gemocht, dass er „ein sehr spontaner und schneller Denker“ war - und sehr neugierig. Zum letzten Mal hätten sich die beiden vor 14 Tagen bei Hildebrandt zu Hause getroffen. „Da war er noch voller Tatendrang und wollte im Dezember wieder auf die Bühne“, sagte Jonas. „Er war ein Kämpfer.“

Der Liedermacher und Texter der aufgelösten Band „Biermösl Blosn“, Hans Well, sieht in Dieter Hildebrandt eine moralische Instanz: „Mit ihm verlieren wir alle nicht nur einen auch im hohen Alter noch geradezu jugendlich frischen Ausnahmekabarettisten und klugen Kommentatoren unserer politischen und gesellschaftlichen Zustände, sondern auch eine echte moralische Instanz, bei der Anspruch und Wirklichkeit nicht auseinandergingen“, sagte Well. „Mir persönlich fehlt in Zukunft ein wunderbarer Mensch, der mir auch in schlechteren Zeiten immer als Freund zur Seite stand.“ Er selbst habe von der Krebserkrankung des 86-Jährigen gewusst. „Dass es so schnell zu Ende ging, ist furchtbar traurig“, fügte der Liedermacher hinzu. „Er erzählte mir vor circa zwei Wochen noch von seinen Plänen für ein Abschlussprogramm.“

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) kann nicht fassen, dass Dieter Hildebrandt tot ist. „Noch in diesem Jahr haben wir umjubelte, virtuose Auftritte voller Kraft und Witz erleben und mitfeiern dürfen - da ist es einfach nicht zu fassen, dass er plötzlich nicht mehr da sein soll“, sagte Ude. Er würdigte den verstorbenen Kabarettisten als einen „unerbittlicher Aufklärer, als kritische Instanz und moralische Institution“. Hildebrandt sei ein „kämpferischer Humanist“ gewesen, „der die Welt besser und die Gesellschaft menschlicher machen wollte, der nie dem Mainstream nachgelaufen ist, sondern sich oft mit Mächtigen angelegt und stets Farbe bekannt hat“. Hildebrandt habe angestiftet zur Aufsässigkeit und eingeladen zur politischen Einmischung. Für Ude war Hildebrandt ein „Glücksfall für die deutsche Demokratie“.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU): „In tiefer Trauer sagt Bayern Dieter Hildebrandt, der Ikone des politischen Kabaretts schlechthin, ein letztes "Dankeschön. Dieter Hildebrandt hat mit spitzer Feder und spitzer Zunge über Jahrzehnte Politikern in Deutschland den Spiegel vorgehalten.“ Er sei damit ein Vorbild für Generationen junger Kabarettisten. „Bayern verneigt sich mit Achtung und Respekt vor Dieter Hildebrandt. Unsere Gedanken sind in diesen Stunden bei seiner Familie und seinen Freunden.“

Die SPD-Fraktion im bayerischen Landtag würdigte Dieter Hildebrandt als „unbestechlichen Wächter unserer Gesellschaft“. „Dieter Hildebrandt war die Stimme der Menschlichkeit, die Stimme der Empörung und auch die Stimme des heiligen Zorns. Mit intellektueller Schärfe und Brillanz hat er politische Entwicklungen und Entscheidungen analysiert und auf ihren Kern reduziert“, so der Fraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher. „Wie kein anderer Kabarettist hat er es geschafft, Politiker zu stellen und an ihre Verantwortung zu erinnern.“

Der Chef des Düsseldorfer „Kom(m)ödchens“, Kay Lorentz bewunderte Hildebrandt: Er sei bis ins hohe Alter „blitzschnell im Kopf“ gewesen. „Ich habe den Mann immer schon bewundert, auch zu Zeiten meiner Eltern.“ Seine verstorbenen Eltern Kay und Lore Lorentz gehörten mit Hildebrandt - mit dem sie auch befreundet waren - zu den Urgesteinen des bundesdeutschen Kabaretts. Lorentz rühmte Hildebrandts „graden Rücken“ und seine unbeugsame Haltung. „Ich fand es immer nachvollziehbar, wie er sich verhalten hat, wenn er irgendwelche Statements abgegeben hat.“ Das letzte Mal sei Hildebrandt vor etwa eineinhalb Jahren in seinem Haus gewesen. „Das war ein Highlight im ganzen Jahr, einen solchen Mann nochmal auf der Bühne zu haben ... das war natürlich ausverkauft“, sagte er. Lorentz führt das von seinen Eltern gegründete „Kom(m)ödchen“ weiter.

SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte: „Mehr als ein halbes Jahrhundert lang brachte er uns zum Lachen und regte dabei zugleich kritisches Denken an. Unser Land hat einen großartigen Kabarettisten verloren, die SPD einen kritischen Unterstützer.“

Auch Linksfraktionschef Gregor Gysi hat den verstorbenen Kabarettisten als „großen Künstler“ gewürdigt. „Er war genial, humorvoll, provokativ, konsequent und mit der Eigenschaft versehen, Freundinnen und Freunde auch dann nicht zu verlassen, wenn sie in größten Schwierigkeiten steckten“, schrieb Gysi am Mittwoch auf Facebook. Seine gute Laune sei ansteckend gewesen. „Dieter Hildebrandt war aber auch wichtig für den Zeitgeist, für die politische Auseinandersetzung“, betonte Gysi. Er habe Politikern auch weh tun müssen, um sie zum Nachdenken zu veranlassen. „Wir alle hatten ihn nötig und verdient. Hoffentlich wird die Lücke, die er hinterlässt, nicht zu groß.“

dpa

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