Poesie der Traumtänzer

Cirque Eloize im Deutschen Theater: - Die Münchner haben sich schon letztes Jahr in sie verliebt. Jetzt sind die Traumtänzer des Cirque Eloize zurück, diesmal im Deutschen Theater - noch unwiderstehlicher in ihrer Zauberart der hingewehten Virtuosität.

Zirkus ist bei den Kanadiern längst nicht mehr ausgestelltes Kunststück und Dressur-Akt. Zirkus, so verstehen sie es, soll sein wie die "éloize", das sanfte schöne Wetterleuchten über dem St.-Lorenz-Strom - vor allem eine Reise ins Land der unbegrenzten Theatermöglichkeiten.

Frauen an der Trapez-Schaukel, selbstvergessen sachte schwingend, wirken wie exotische Kletterpflanzen. In mannshohen Reifen irrwitzig über die Bühne kreiselnd verwandeln sich Frau und Mann in lebende Räder. Und fünf Akrobaten rollen wie Sturz-Flieger an ihren Vertikaltüchern aus dem Bühnenhimmel herab. Und das alles ohne Anzeichen von Mühe. Was früher als Bravour vorgeführt wurde, leuchtet hier auf in poetischen Bildern, schwebt auf den Klängen vom Mann am Klavier, verlischt wie im Traum.

Licht und Musik sind mit die wichtigsten Regie-Mittel von Daniele Finzi Pasca. Und das Spielerische. Seine Show ist schlichtweg eine große Party, bei der alle auf der Bühne so viel Spaß haben wie die im Parkett. Ständig singen die Eloizes irgendwelche Lieder, frotzeln herum, bravojodeln sich selbst zu, wenn die Kollegen, weggewippt von der "Russischen Stange" oder dem Schleuderbrett, ihre Flugfiguren in die Luft schrauben und wieder sicher landen. Diese postmoderne Erneuerung des Zirkus will die beiläufige Präsentation von Artistik und Kunstfertigkeit, ohne diese zu verleugnen, und bringt wundervoll zum Lachen - nicht mehr mit roten Knollennasen und Klamauk, sondern mit hinreißend ironischer Brechung und Parodie. Zum Küssen: die Männerriege im Anno-dazumal-Turnertrikot, die Lungenanstrengung mit eitlen Presslauten markierend; die "Ballett-Truppe", bei der Damen plötzlich aus dem Klavier herauswachsen. Und zum unbedingten Liebhaben: Ashley Carr, so ein zart-komisch verwirrter Shakespeare-Puck, der seine Teufelsstöckchen oder auch einen Koffer durch die Lüfte dieses verwunschenen Sommernachtstraums jongliert.

"Rain" nennt Daniele Finzi Pasca sein Stück in Erinnerung an kindlich erlebte Sommergewitter und das damit verbundene Gefühl der Freiheit. Ob es das finale Nass dazu gebraucht hätte? Pina Bausch, Jan Fabre und zuletzt der Kanadier Dave St. Pierre ließen ja schon deftig plantschen. Aber die durch äußerste Disziplin gewonnene spielerische Freiheit des Körpers, die haben wir an diesem Abend erlebt.

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