Politik als Geräuschdesign

- Hand aufs Herz: Wer würde nicht mal gerne bei Hans Eichel im Ministerium vorbeischauen, 5278 Liter Jauche im Tank, und seinem Verdruss freien Lauf lassen? Einer schmutzig-schönen Fantasie verleiht Kabarettist Thomas Freitag Ausdruck mit seinem neuen Programm "Geld oder Gülle" in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft.Doch ist sie nur die Vorgeschichte.

<P>Wir sehen den gescheiterten Ich-AG-ler und selbst ernannten Che Güllevara Peter Holzer vor Gericht, weil er Eichels Büro besudelt hat, und Verteidiger Freitag soll ihn raushauen. "Zur Tat meines Mandanten gab es keine Alternativen", beharrt er. Und Freitag führt vor, was dabei herauskommt, wenn man 300 Mitarbeiter in sich selbst beschäftigt: schizophrenes Chaos. Die türkische Putzfrau Ich will wischen, der Schleimer Ich bietet Kaffee an, die knackige Kollegin Ich macht Avancen. Klar, dass Ich da überfordert ist. Der Griff zum Odel ist nur natürliche Notwehr.<BR><BR>Der Rahmen für Freitags Attacken, die Gerichtsverhandlung, wirkt sicher arg konstruiert, und auch die Passagen, in denen er einzig den deutschen Michel aufs Korn nimmt, sind nicht unbedingt originell. Schlicht unschlagbar ist der renommierte Parodist jedoch, wenn er mit einem Orchester von Stimmen arbeiten kann. "Politik ist nichts anderes als Geräuschdesign", sagt er und holt sie alle noch einmal aus der Konserve. Freier Wille? Die Synapsen bestimmen unser Handeln. Zu spüren bekommen dies Kanzler Schröder und Ministerpräsident Stoiber: "Weil der Gerd eh nix gebacken kricht und der Edi scho glei dreimoi ned", fahren die Ahnen Willy Brandt und Franz Josef Strauß in deren Hirne, und wie sie ihnen die Köpfe waschen, das ist politisches Kabarett vom Feinsten. Ganz klar: Freispruch.<BR><BR>Bis 23. Dezember; Telefon: 089/ 39 19 97</P>

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