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Politik und Pornofalle

- Douglas Robinson macht in einer Zeitungsannonce bekannt, dass er wirklich und wahrhaftig "Arier" ist und man das bei der örtlichen NSDAP nachprüfen könne. Daneben verkündet eine Überschrift "Die Synagoge aus dem Grazer Stadtbild verschwunden". Hans Haacke hatte 1988 Graz mit seiner Installation "Und ihr habt doch gesiegt" okkupiert, so wie vor 50 Jahren die Nazis. Genau wie sie verhüllte er die Mariensäule mit rotem Tuch, obendrauf die übliche Feuerschale für symbolträchtige Zeremonien. Während die Mörder mit jenem Satz triumphierten, weil sie trotz Rückschläge an die Macht gekommen waren, mahnt der Künstler mit ihm, die vielen Ermordeten nicht zu vergessen. Ihr Leid bleibt, obwohl die Nazis schließlich niedergerungen wurden.

<P>Mit Irritationen den Raum besetzen</P><P>Die eindrucksvollen "Reste" und Dokumente dieses Raum-Kunstwerks (initiiert vom "steirischen herbst") sind nun in der Ausstellung "Occupying Space - Sammlung Generali Foundation" im Münchner Haus der Kunst zu sehen. 1988 wurde übrigens auch die Foundation gegründet. Nicht alle gezeigten Werke aus dem Besitz der Wiener Versicherung erfüllen den Anspruch des "besetzten Raums" so imposant wie das von Haacke. Aber alle, die leisen und die lauten, sind herausfordernd: Hier lockt krachend die Pornofalle, ist aber eigentlich ein Nachdenken über abstruse Sexualtheorien. Dort zärteln nackte Nymphchen, ihre altertümliche "Patina" besteht aber aus Samenflecken. Es gibt die scharfe politische Aussage, makellose Schönheit, kühle Bestandsaufnahme, versponnene Fantastereien, gespeist aus Kintopp, Fernsehen und Werbung.<BR><BR>Die Generali Foundation erwarb die österreichische Avantgarde der 60er/ 70er-Jahre und hatte damit Leitlinien: Konzeptkunst, Aktionen und Dokumentationen, in ihrem Gefolge Film (noch nicht Video) sowie Fotografie. Diesen folgte man konsequent - auch international, auch mit aktueller Kunst. Sodass heute von den Kuratoren Sabine Breitwieser (Foundation) und Thomas Weski vom Haus der Kunst eine Schau gestaltet werden konnte, die ihre Zeitgenossenschaft mit der Gegenwart beweist. Valie Exports Aufnahmen "Aus der Mappe der Hundigkeit" (1969) sind Klassiker geworden, ihre Strategie des irritierenden Eingriffs in den öffentlichen Raum samt Archivierung ist immer noch viel genutzter Standard. Und so mancher junge Künstler "erfindet" neu, was eigentlich Valie-Export-Kopie ist, und merkt's wahrscheinlich nicht einmal.<BR><BR>Wichtiger - aus jetziger Sicht - als das Plakative, Provokative ist an Exports Konzept ihr Umgang mit dem Umfeld, mit dem Raum also. Das erläutert bestens der Film "Adjungierte Dislokation" (1973) mit einem exakten Drehplan und der entsprechenden Choreographie der Filmenden. Sie hält vorne und hinten eine Kamera und zieht Kreise um einen Platz. Der Film selbst besteht aus drei Bildteilen: das, was aufgenommen wurde, und die Künstlerin selbst. Der Raum wird zugleich erfasst und "zerbrochen". Solch neue Sehweisen machten die aktuelle Video- und Fotokunst überhaupt erst möglich.<BR><BR>Raum, Körper und Zeit sind die Konstanten, die in den 60ern, 70ern untersucht wurden. Wissenschaft, Theorie, Alltag werden zu "Materialien", die die Künstler interessieren. Da gerät Hans Haackes "Kondensationswürfel" (1963-65) aus farblosem Acryl und Wasserdampf/ -tröpfchen, ein physikalisches Experiment, zu einer wunderschönen Skulptur. Da erfassen Norbert Brunner und Michael Schuster analytisch und akribisch den Dialekt mittels des "Vater unser" vom Trentino bis Garmisch-Partenkirchen (1979). Da untersucht Azra Aksamija, 1976 in Sarajewo geboren, per Fotoprojektion die Beziehungen von Marktstraße und Macht, Kommerz und Armut, Selbsthilfe und Unsicherheit.<BR><BR>Ob Raum zwischen Natur und Architektur, ob Körper zwischen Nacktheit und kultureller Zurichtung, ob Zeit zwischen Fließband-Endlosigkeit und poetischer Ewigkeit, eine soziopolitische Komponente schwingt mit. Nicht vordergründig wie bei Adrian Pipers "Black Box/ White Box" (1992) mit dem zu Tode geprügelten Rodney King und Bush sen., sondern wie nebenher. Aber wenn Florian Pumhösl sein billiges Behelfsmobiliar (1996) aufstellt, dann werden die Scheinlösungen des Allheilmittels Design deutlich. Wenn Andrea Fraser in Wandbeschriftungen die Ansichten der Generali-Leute zur Sammlung "verewigt", gibt sie den Anspruch der freien Kunst scheinbar auf.</P><P>Bis 16. Mai; Infos, Führungen, auch speziell für Kinder: Tel. 089/ 21 12 71 13; Katalog: 43 Euro.<BR></P>

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