Politische Verantwortung

- Peter Handke muss sich wegen seiner öffentlichen Sympathiebekundungen für den im Frühjahr gestorbenen jugoslawischen Ex-Diktator Slobodan Milosevic weiter harsche Kritik gefallen lassen. Sowohl der Sozialphilosoph Oskar Negt als auch die Schriftstellerin Juli Zeh sprachen dem 63-Jährigen in der Berliner Akademie der Künste "jegliches politische Urteilsvermögen" in diesem Fall ab.

"Handkes Urteilskraft hat in diesem Moment komplett versagt", sagte Zeh. Der Dichter brauche sich über Gegenwind nicht zu wundern. Menschen wie Handke oder auch Günter Grass müssten wissen, dass man nicht gleichzeitig öffentlich und nicht-öffentlich sei könne. Negt erklärte: "Wenn man einen potenziellen Massenmörder besucht und ihm damit eine Ehre erweist - da hört der Spaß auf."

Akademie-Präsident Klaus Staeck meinte zum "Fall Handke", ein Künstler trage immer die volle Verantwortung für das, was er tue. "Wir können nie hinter unser Werk zurücktreten." Für Oktober hat Staeck den wegen seiner früheren Waffen-SS-Mitgliedschaft umstrittenen Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass eingeladen.

Zeh, Negt und Staeck beteiligten sich wie der Schriftsteller und Lyriker Volker Braun und der Regisseur Matthias Langhoff an einer Diskussion zur gescheiterten Vergabe des Heinrich-Heine-Preises an Handke. Als Handke im Mai der Preis der Stadt Düsseldorf verliehen werden sollte, war es zum Eklat gekommen. Handke verzichtete daraufhin auf die Ehrung.

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