Politischer Stenz

- Politisch sein, das passt nicht zu Rainhard Fendrich. Die Leute lieben den Österreicher als Herzblatt, als charmanten Entertainer mit Bauchansatz und humorigen Hits. Aber er selbst schien das bisweilen nicht einsehen zu wollen bei seinem Konzert in der Münchner Olympiahalle. Zwar gab der Galan zu, kaum noch politische Songs zu schreiben - aber nur, weil "die Gegenwart zu barbarisch ist, um sie zu vertonen".

<P>Dann hob er an zum Rundumschlag gegen Schwarzenegger, Bush und andere, um gleich darauf zu zeigen, dass er doch einige ernste Stücke im Repertoire hat: "Brüder" und "Heidenangst". Das Publikum war aber nicht deswegen gekommen. Von diesem Stenz im Freizeithemd, diesem Schmeichler, Frauenschwarm und Lümmel, von dem erwartet man keine bemühte Betroffenheit. Wo er doch ein Händchen dafür hat, fiese Spitzen über absurde Alltäglichkeiten in Sachertorten zu verpacken. Und Fendrich hatte ein Einsehen.</P><P>"Ich habe in meinem Leben auch einige Protestlieder gesungen, die von der Kritik fälschlicherweise als Schlager bezeichnet wurden." Dann gab er den Fans, was sie verlangten: die Hymne "Es lebe der Sport", den "Tango Corrupti" oder den Calypso "Midlife Crisis". Die Band reproduzierte den feisten Gute-Laune-Sound perfekt, inklusive routinierter Soli.</P><P>Doch dann gingen die Gäule wieder mit ihm durch: Auch wenn er in eine Berlinerin verliebt ist, auch wenn er selbst noch in der DDR gespielt und sich besonders über den Fall der Mauer gefreut hat, rechtfertigt das noch lange nicht das naive Pathos eines Songs wie "Helden von Berlin" ("zerstört, doch nie besiegt" - autsch). Getaucht in violett zuckende Riefenstahlgewitter. Aber auch das ging vorüber, und zur Belohnung durfte wieder ausgeflippt werden - zu "Strada del Sole" und natürlich zu "Macho Macho". Man erinnere sich daran, als Fendrich noch die beliebte Vorabend-Show moderierte: "Herzblatt" wurde immer der Lustige.<BR><BR></P>

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