Politisches aus dem Iran

- München tanzt? Jawohl, ab 26. Oktober zwei Wochen lang, von Muffathalle und Schauburg bis zum Carl-Orff-Saal, Prinzregententheater, Haus der Kunst und zu den Galerien der Künstler und (für Tanzfilme) Rüdiger Schöttles.

<P>Leuchten wird München dann natürlich auch: Zum einen sind verstärkt Münchner Künstler eingebunden, zum anderen wartet das städtische "Dance"-Festival immerhin mit 20 Produktionen auf - dank Spielmotor e. V. sowie einiger kanadischer und anderer Kooperationen. Klug geplant, kann man sich da durch die ganze Bandbreite des zeitgenössischen Tanzes hindurchschlemmen.<BR><BR>Sinnlich - und intellektuell. Denn Kuratorin Cornelia Albrecht hat Gruppen eingeladen wie Ohad Naharins israelische Batsheva Dance, zuletzt 1998 in München, bei der man sich voraussichtlich ganz dem Genuss von Körper-Charisma und Bewegungsdynamik hingeben kann. Aber auch und vor allem eine ganze Reihe von Choreographen, die sich mit anderen Künsten verbinden und auseinander setzen, also auch Anreiz für unsere grauen Zellen sein wollen. Spannend klingt da die Uraufführung der Münchner Komponistin Helga Pogatschar, eine "Tanzoper" nach Heiner Müllers "Traumtext", in der 50 (!) Musiker und der hierorts bereits bekannte spanische Tänzer Cesc Gelabert mitagieren.<BR><BR>Neugierig machen u. a.: der Münchner Medienkünstler Chris Ziegler und die japanische Tänzerin Kazue Ikeda mit ihrem elektroakustischen Tanz-Konzert; Bewegungserfinder Julyen Hamilton und Sprechkünstler Christian Reiner mit ihrem "Stimmtanz" zu Gedichten von Wolf Wondratschek; Regisseurin Helena Waldmann mit den hochpolitischen "Briefen aus dem Iran", einer vor Ort mit sechs iranischen Frauen erarbeiteten Performance. Unter Zensurstress. Nur ein Beispiel: Da Tanz für Frauen im Iran verboten ist, geben sie sich als Schauspielerinnen oder Gymnastinnen aus.<BR><BR>Nimmersatt des Neuen</P><P>Wiedersehensfreude macht ja auch immer Spaß: So kommt (zur Reife gemildert?) Englands einstiger "bad boy" Michael Clark wieder, 1984 mit einer poppigen Ballettklassik-Zertrümmerung in der Alabamahalle der  große Schocker, und die Kanadierin Louise Lecavalier. Die langjährige Muse des illustren Lalala-Chefs Edouard Lock, die uns in den 80er-Jahren als wilde Nymphe mit Schnurrbart bezirzte, geht nun mit dem Choreographen Tedd Robinson eigene Wege.<BR>Und für den Nimmersatt des Neuen jede Menge Tanz-Künstler, die zum ersten Mal in München sind: der virtuose finnische Tänzer Tero Saarinen, der surrealistische französische Choreograph Christian Rizzo, die Französin Julie Nioche, abgenabelt von Meg Stuart nun als medico-therapeutische Körperforscherin unterwegs.<BR><BR>Außerdem Anthony Rizzi, langjähriger Tänzer bei Frankfurts William Forsythe, "labormäßig" zugange mit Tänzern des Bayerischen Staatsballetts; der Anglo-Pakistani Akram Khan, der mit seinem dynamischen Mischstil zwischen indischer Tradition und europäischer Moderne das Publikum begeistert; und der schräge Niederländer Michael Laub. Dazu auch die Fondation Jean-Pierre Perrault, Daniè`le Desnoyers und Dave St. Pierre, Kanadas älterer und jüngster Kulturexport.<BR><BR>Für hier nicht aufgeführte Gruppen, die Architektur-Ausstellung zu einem "erträumten" Tanzhaus, Symposium & Fachtagung: klicke zu www.dance2004.de.</P><P>Karten unter Tel. 089/ 54 81 81 81, Fax -54 <BR> </P>

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