Politsatire auf Amerika

- Ein Schuss Mussolini-Mimik, ein wenig Hitler-Gestik. Von Michael Jackson der Griff zwischen die eigenen Beine. Aber vor allem die Gebärdensprache von Saddam Hussein und George Bush. Lässt sich aus diesem "Zutatenmix" eine Theaterrolle gestalten? "Aber natürlich", sagt Maximilian Schell.

In London spielt er derzeit in Arthur Millers (1915-2005) letztem Theaterstück, "Resurrection Blues", einen unter Potenzproblemen leidenden Bananenrepublik-Diktator, der für Millionen von Dollar einen charismatischen Rebellenführer vor laufenden US-Fernsehkameras wie Jesus kreuzigen lassen will. "Das ist anarchistisch und absurd, aber ein Spiegelbild unserer Zeit, genau wie es von Arthur Miller gedacht war", sagt Schell. Arthur Miller hat sein letztes Werk als politische Satire und Groteske angelegt, mit klaren Anspielungen auf den Irak-Krieg und die zunehmende rechtsreligiöse Verklärung im Weißen Haus. In London trafen sich zwei Amerikaner, die jetzt das Stück auf die Bühne brachten: Schauspieler Kevin Spacey (46) und der soeben mit dem Ehren-Oscar ausgezeichnete Regisseur Robert Altman (81).

Spacey ist seit Herbst 2004 künstlerischer Direktor des auf Unabhängigkeit bedachten Londoner Theaters "The Old Vic". Nach einem Darsteller für die zentrale Gestalt des Stücks, des ebenso schwärmerischen wie brutalen Diktators Felix Barriaux in einer fiktiven Bananenrepublik, mussten Altman und Spacey nicht lange suchen. Miller selbst hatte Schell empfohlen. Der Dramatiker schrieb eine Karte an ihn: "Ich hoffe, Du übernimmst eine großartige Rolle zur Inspiration der Menschen. Alles Gute, Arthur Miller." Die Karte hat der 75-jährige Schell in einem Goldrahmen mitgebracht nach London. "Da braucht man doch nix mehr", sagt er. "Da können Kritiker schreiben, was sie wollen."

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