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Haus des Menander: Ein Großfoto und die Apoll-Statue schildern in der Kunsthalle Pompejis Wohnkultur.

Das ist zu sehen

Pompeji-Ausstellung in Münchner Hypo-Kunsthalle

München - Die Münchner Hypo-Kunsthalle zeigt in „Pompeji – Leben auf dem Vulkan“ auch ein neuentdecktes Nymphäum. Hier sehen Sie etliche Exponate.

Gott Vulcanus hat es nicht nur gut gemeint mit dem Land um den Vesuv. Deswegen beginnt der Rundgang durch die Ausstellung „Pompeji – Leben auf dem Vulkan“ in der Münchner Hypo-Kunsthalle mit „Segen und Fluch“: hier eine Wandmalerei mit einem friedlich grünen Bergerl, daneben als pralle Traube der Weingott Bacchus höchstpersönlich – dort, als Mosaik, ein Skelett. Der Golf von Neapel war wunderbar fruchtbar und ein beliebter Handelsplatz. Schönheit und Klima lockten darüber hinaus die Reichen an, die sich dort, wie die Kaiser-Familie, Sommerpaläste bauten. Schon das Erdbeben von 62 n. Chr. hatte die Idylle buchstäblich ins Wanken gebracht – ein Fries erzählt naiv davon; und man war noch beim Wiederaufbau, als der Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 die Gegend fast komplett vernichtete: Glutlawine, Asche- und Bimssteinregen. Alles war meterhoch unter Material begraben.

Was für die Menschen damals ein Grauen war, ein qualvoller Tod, hat den Ausgräbern ein authentisches Bild des Lebens in einer römischen Stadt beschert. Das fasziniert bis heute und löste im 18. und 19. Jahrhundert eine Pompejieuphorie aus. Das Aschaffenburger Pompejanum von Ludwig I. bezeugt das bestens. Am Ende der Schau wird diese erste „Welle“ beschrieben – mit Büchern und den ersten Funden: etwa einer der „Herkulanerinnen“ oder der Bronzestatue des Lucius Mammius Maximus, bei dessen überlebensgroßer Figur der Bildhauer in einen Rausch des Toga-Faltenwurfs geraten ist.

Ausstellung: Spektakuläre Exponate aus Pompeji

Ausstellung: Spektakuläre Exponate aus Pompeji

Zwischen diesen beiden Enden versucht die Präsentation (Kuratoren: Konstanze Eckert, Esaù Dozio), an Beispielen ein anschauliches Panorama der Region um den Vesuv zu geben. Pompeji ist nur ein Teil davon. Und es wird zeitlich zurückgeblickt bis in die Bronzezeit. Keramik von 1900 v. Chr. – raffiniert „kubistisch“ – und eingebrannte Getreideähren berichten bereits von Vulkanausbrüchen in der Vorzeit. Und es fehlt auch nicht der Hinweis auf die Eruption von 1944. Eine wissenschaftliche Film-Rekonstruktion inklusive Animationen der letzten Tage von Pompeji erklärt die Naturgewalten sachlich und grauenhaft „schön“. Erklärt wird ebenfalls, wie so eine römische Stadt funktionierte – wobei Pompeji von den Oskern gegründet wurde, gute Beziehungen zu den Etruskern und Griechen hatte, von Samnitern besetzt war und erst 80 v. Chr. offiziell römisch wurde. Aber man hatte dort alles, was eine Stadt brauchte: Tempel und Wohnhäuser, Theater und Arena, Märkte und Gerichtsstätten, Läden, Imbissbuden, Spaßbäder, Bordelle und bisweilen ein Gärtchen – das man sich auch malen lassen konnte.

So ist das herrlichste Ausstellungskabinett das mit den Wandgemälden des „Gartenzimmers“ eines pompejanischen Hauses. Der Künstler hat eine zierliche Anlage (Brunnen, Ziergitter) mit Pflanzen, von Kamille bis Lorbeer, bestückt, in denen es nur so von Vögeln, von Schwalbe bis Nachtigall, wimmelt: ein Herzensanblick für Naturschwärmer und -wissenschaftler. Überhaupt liegt uns Heutigen die Kunst vom Golf von Neapel nahe. Sie ist weder archaisch fremd noch klassisch abgeklärt – sie ist vielmehr sprechend, dramatisch, manchmal ein bissl theatralisch, auf jeden Fall sinnenfroh und lebenslustig.

Nymphäum einer Villa

Insofern folgt die Schau der Kunsthalle ihren beiden Vorgängerinnen in der Archäologischen Staatssammlung, die sich mit Herculaneum und „Luxus und Dekadenz am Golf von Neapel“ beschäftigt hatte. Darum kommen einem auch einige Exponate etwa die Herkules-Gemälde oder die spannungsgeladene Plastik des „Läufers“ bekannt vor. Trotzdem ist diese neue Exposition eine Bereicherung, denn sie kann mit einem noch nie gezeigten „Objekt“ aufwarten: einer veritablen Brunnenanlage – Nymphäum genannt – einer Villa in Massa Lubrense (am südlichen Landzipfel des Golfs). Die Wand mit ihren vielen Nischen war 24 Meter breit und über und über mit Mosaiken verziert, die sich in einem Wasserbecken spiegelten. Mithilfe der Hypo-Kulturstiftung konnte das Nymphäum restauriert werden. Nun ist ein Teilstück zu Gast in München und versucht, die lauschigen Plätzchen des Campania- Lebensstils bei uns lebendig werden zu lassen.

So verbindet die Schau viel Lehrreiches mit noch mehr Genüssen. Daher ist es völlig überflüssig, dass die Verantwortlichen von der Kunsthalle und vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte mit Abgüssen von Toten zusätzlich Besucher anlocken wollen. So etwas trübt das gesamte Unternehmen.

Bis 23. März 2014 täglich 10-20 Uhr, Theatinerstraße 8; Katalog (Hirmer Verlag): 29 Euro.

Von Simone Dattenberger

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