+
„Fast noch besser als in der Met“: Besucher der „Klassik im Kino“-Reihe.

Oper- und Ballett-Inszenierungen auf der Leinwand

Mit Popcorn zur Klassik

München - Das passt auf den ersten Blick nicht zusammen: Opern- und Ballett-Inszenierungen, die in Kinos ausgestrahlt werden. Doch Klassik auf der Leinwand hat eine treue Fangemeinde. Auf den Spuren eines Phänomens.

Lange vorbei sind die Tage, in denen eine Sophia Loren als „Aida“ die Lippen zur Stimme von Renata Tebaldi bewegte oder Mario Lanza als „Großer Caruso“ die Massen ins Kino lockte. Und selbst wenn heute Kenneth Branagh seine eigenwillige Version von Mozarts „Zauberflöte“ ins Rennen schickt oder das Traumduo Netrebko/Villazón in „La Bohème“ elegant vor sich hin schmachtet: Mit Opernfilmen ist für den Kinobetreiber in den meisten Fällen nur schwer Profit zu machen.

Besser bestellt ist es da zum Glück um die Live-Übertragungen aus der New Yorker Metropolitan Opera (Met), die sich inzwischen auch bei uns bundesweit zu einem echten Publikumsmagneten entwickelt haben. Treibende Kraft hinter dem Prestigeprojekt ist dabei niemand Geringerer als Met-Chef Peter Gelb höchstpersönlich. Zu seinem Amtsantritt hatte er Puccinis „Madama Butterfly“ nicht nur live auf den Times Square übertragen lassen, sondern dank modernster Technik auch werbewirksam an Kinos in ganz Amerika geliefert. Das weltweite Medienecho war groß und bald schon die erste Interessentengemeinde diesseits des Ozeans gefunden.

So hat sich seit dem ersten Testlauf mit dem „Barbiere di Siviglia“ vor fast zwei Jahren auch in München eine verschworene Gemeinde zusammengefunden, die regelmäßig zum Cinema an der Nymphenburger Straße pilgert, um dort den großen Gesangsstars zu lauschen und sich in der Pause von Moderatoren wie Renée Fleming oder Thomas Hampson hinter die Kulissen des berühmten New Yorker Musentempels führen zu lassen. „Viele Besucher haben uns schon gesagt, dass es fast noch besser ist als in der Met selbst“, weiß Klaus Ungerer vom Cinema nicht ohne Stolz zu berichten. „Denn mit den Kameras ist man einfach viel näher dran. Und am Schluss gibt es oft sogar Applaus im Saal, obwohl man das in New York ja gar nicht hören kann. Da merkt man dann so richtig, wie sehr es die Leute gepackt hat.“

Gemeinsam mit der Produktionsfirma Clasart, die den ersten Kontakt zur Met hergestellt hatte, will man die Live-Übertragungen aber auch künftig lieber exklusiv halten und auf einen Termin im Monat beschränken. Denn selbst wenn Top-Termine wie „Lucia di Lammermoor“ mit Anna Netrebko natürlich schon viele Monate im Voraus ausverkauft sind – ein Massenmarkt ist die Oper im Kino eben doch nicht. Sehr wohl aber eine willkommene Gelegenheit für Fans, die ihren Stars nicht immer rund um den Erdball nachreisen können oder berühmte Produktionen vergangener Tage in der Sonntagsmatinee noch einmal großformatig genießen möchten.

Zwar gibt es inzwischen beinahe alles, was das Opernherz begehrt, für den Hausgebrauch auf kleinen runden Silberscheiben zu kaufen. Doch mit teuren HD-Projektoren oder Dolby Surround-Sound können im Normalfall wohl nur die wenigsten Wohnzimmer mithalten. Und wie die effektlastigen Hollywood-Blockbuster braucht auch Oper vor allem eines: viel Platz!

Das hat man auch im Monopol-Kino erkannt, wo sich diesen Sonntag nicht Leonardo di Caprio, sondern Rolando Villazón in „Romeo und Julia“ auf der Leinwand anschmachten lässt. Für Christian Pfeil, der mit dieser Aufzeichnung von den Salzburger Festspielen nach einer Pause wieder ins Klassikgeschäft einsteigt, ist Oper in seinem Lichtspielhaus immer noch ein ganz besonderes Erlebnis – „allein schon, weil sich da mit einem Mal die ganze Atmosphäre im Kino ändert. Da sieht man dann in der Pause tatsächlich Leute mit dem Opernführer unterm Arm ihren Kaffee schlürfen oder hört Experten über musikalische Details fachsimpeln.“

Genau wie im Cinema findet sich aber auch unweit der Münchner Freiheit eine ganze Reihe Leute, die das Nationaltheater bislang eher von außen kennen und jetzt in lockerer Atmosphäre ihren ersten Schritt Richtung Oper riskieren. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Mit UNITEL und der Edition Salzgeber hat Pfeil zwei namhafte Partner im Boot, die 2009 zusätzlich noch die City-Kinos mit ihren neusten Produktionen versorgen wollen. Meist zeitnah zum jeweiligen DVD-Start. Schließlich weiß man nicht nur in Hollywood um die Werbewirkung des Kinos.

von Tobias Hell

Nächste Termine:

Samstag, 18 Uhr, im Cinema: „Thais“ – live aus der Met (Tel: 089/55 52 55). Sonntag, 12 Uhr, im Monopol: „Romeo et Juliette“ mit Rolando Villazón (Tel: 089/38 88 84 93).

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Von Jung bis Alt können sich die meisten Musik-Fans auf Rea Garvey einigen. Woran das liegt, zeigt er bei seinem Auftritt auf dem Tollwood. Die Nachtkritik.
Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Diesem Debüt hat die Opernwelt entgegengefiebert: Jonas Kaufmann singt in London erstmals die Titelrolle von Verdis „Otello“. So ganz passt die Partie nicht zu ihm.
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Draußen rattern Züge über die marode Brücke, drinnen spielen sich die fünf junge Münchner „The Whiskey Foundation“-Musiker den Blues, Rock und Soul der 60er Jahre aus …
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Glut in der Zwiebel
Zum Auftakt des Münchner Filmfests wird der erste Dokumentarfilm über Bud Spencer uraufgeführt.
Glut in der Zwiebel

Kommentare