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US-Popstar Prince starb im Alter von nur 57 Jahren.

Familienmitglied bestätigt traurige Nachricht

Popstar Prince ist tot: Die Welt weint "Purple Rain"

Chanhassen - US-Popstar Prince ist tot. Der Ausnahme-Künstler starb im Alter von 57 Jahren. Lesen Sie hier unseren Nachruf.

Als Prince 1986 auf dem Höhepunkt seines Erfolges in Hollywood seinen zweiten Film „Under the Cherry Moon“ dreht, holt er immer Kameramann Michael Ballhaus ab, der gleich um die Ecke wohnt. Gesprochen wird während der Fahrt zum Studio nichts, erinnert sich Ballhaus. Stattdessen wird in gebührender Lautstärke Musik gehört – meist Symphonien von Gustav Mahler. Dass der Großmeister der schwarzen Musik Werke des österreichischen Komponisten hört, passt zu einem Künstler, bei dem nichts passte, sofern es sein Image anging. Denn wer dieser Prince Rogers Nelson, 1958 in Minneapolis geboren, wirklich ist, kann er ein Leben lang erfolgreich verbergen. Nun haben wir keine Chance mehr, es herauszufinden: Prince, einer der einflussreichsten Musiker der vergangenen Jahrzehnte, ist an den Folgen einer verschleppten Grippe verstorben. Ein Wunderkind, zu früh verglüht.

Der Sohn eines Jazzmusikers und einer Sängerin bringt sich schon in jungen Jahren das Klavierspiel selbst bei. Als Teenager beherrscht er ein halbes Dutzend weitere Instrumente ziemlich virtuos und gründet mit 15 die erste eigene Band. Er fällt auf, bekommt als 19-Jähriger einen Plattenvertrag. Allerdings fällt das Debüt „For You“ anders aus, als sich das die Plattenfirma vorstellt. Prince präsentiert einen vogelwilden Stilmix, singt auffallend viel und explizit über Sex. „For You“ floppt, aber bevor das jemand realisieren kann, legt er 1979 den Nachfolger vor, der mit „I wanna be your Lover“ eine Hitsingle hat.

Bei fast jeder Platte mit einem eigenen Stil

Mit jeder Platte findet Prince weiter zu seinem Stil, mischt seine exzellente Rockgitarre mit schwarzem Klangbild, Falsettgesang und süffigen Melodien. Und mit zunehmend obszönen Texten, die dazu führen, dass in den USA fortan manche Alben den berühmten Aufkleber verpasst bekommen, auf dem Eltern aufgefordert werden, ihre Kinder nicht mit diesen Liedern allein zu lassen.

Den Durchbruch verdankt Prince letztlich seinem Rivalen Michael Jackson. Dessen Monster-Album „Thriller“ macht Anfang der Achtzigerjahre schwarze Musik massentauglich, und im Windschatten klotzt Prince 1984 seinen ersten Meilenstein „Purple Rain“ hin: Über Nacht ist er ein Weltstar.

Es folgen goldene Jahre mit Platten, die hymnisch gelobt werden, und Hits, die heute noch gut klingen, weil sie so arrangiert sind, dass man sie unmöglich einer Zeit zuordnen kann. Textlich mäandert Prince zwischen undurchdringlicher Liebeslyrik, esoterisch angehauchtem Kulturpessimismus und Zeilen, die niemand außer ihm zu deuten vermag. 1987 liefert er mit der Doppel-LP „Sign o’ the Times“ sein Meisterwerk ab. Von krachenden Rockhymnen bis zu minimalistischem Elektropop deckt er so ziemlich alles ab. Und verliert die Bodenhaftung.

Prince hat sich nie reinreden lassen

Er hat sich ohnehin nie reinreden lassen, aber nun wird er schon sehr schräg. Wie besessen nimmt er Musik auf, zieht Alben Tage vor der Veröffentlichung zurück, produziert Dutzende sündhaft teure Musikvideos, die nie gezeigt werden, und treibt sich damit langsam in den Ruin. Zu jener Zeit beginnt er obendrein einen Feldzug gegen die Musikindustrie: Die Künstler seien die modernen Sklaven, empört er sich. Er will raus aus seinem Vertrag, will nicht mehr Prince sein, sondern signiert mit einem Symbol und macht namenlos weiter. Er nimmt weiterhin wie im Rausch auf, 39 reguläre Studioalben wird er veröffentlichen – immer wieder findet sich exzellente Musik darauf. Aber die Platten wirken oft auch fahrig, mitunter verliert sich der genialische Könner in seinem Virtuosentum. Dennoch: Ab und zu haut er grandiose Produktionen raus; bei der Vermarktung erweist er sich als Pionier. Er vertreibt manchmal nur im Internet, manchmal gibt es die CDs exklusiv zu einer Zeitschrift. Hauptgeschäft werden die sagenumwobenen Konzerte, die mitunter bis in die frühen Morgenstunden in kleinen Clubs verlängert werden.

Bob Dylan, wie Prince aus Minnesota, hat dem winzigen Kollegen vor nicht allzu langer Zeit das größtmögliche Kompliment gemacht, als er erklärte, er habe schon seit vielen Jahren keine einzige gute neue Platte mehr gehört – außer natürlich die von Prince. Der wird nun nie wieder Platten aufnehmen, und nicht nur Dylan wird das schmerzen. 2016 ist ein Annus horribilis der Popmusik.

Zoran Gojic

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