Posaunenchöre: Von Bach bis zu den Beatles

München - In den meisten evangelischen Gemeinden in Bayern gehören sie fest dazu – die Posaunenchöre. An diesem Wochenende treffen sich zahlreiche Musiker beim Posaunentag in Coburg. Sie wollen zeigen, dass ihre Musik keinesfalls verstaubt ist.

Das könnte auch die Probenstunde einer Blaskapelle sein. Die Melodie klingt nach Wirtshausmusik. Doch dann folgen zum Abschluss geistliche Worte, die Musiker sprechen das „Vaterunser“. Der Posaunenchor Heiligenstadt im Landkreis Bamberg hat seine Probe beendet. „Wir spielen nicht einfach so, unseren geistlichen Hintergrund sollen die Menschen auch spüren“, sagt Leiter Martin Wretschitsch. Die Bläser aus der Fränkischen Schweiz gehören zu den mehr als 1000 Musikern, die an diesem Wochenende zum fränkischen Posaunentag nach Coburg kommen. Nur die Landesposaunentage sind größere Veranstaltungen – zuletzt trafen sich Bayerns Posaunenchöre vor fünf Jahren.

Die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner hat nun eingeladen, weil die Evangelische Kirche in Deutschland dieses Jahr unter das Motto „Reformation und Musik“ gestellt hat – in Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum 2017. Und: „Weil Posaunenchöre wichtig für die Verkündigung sind“, sagt Greiner.

Posaunenchöre in Bayern gibt es seit dem Jahr 1865 – damals wurde ein nur mit Blechinstrumenten besetztes Ensemble für die Kirchenmusik in Neuendettelsau gegründet. Anders als eine Kirchenorgel waren die Blechinstrumente praktischerweise mobil – konnten also draußen gespielt werden.

Die Tradition lebt bis heute in vielen Gemeinden fort. Knapp 900 Chöre mit etwa 17 000 Bläsern registriert der Verband der evangelischen Posaunenchöre in Bayern (VEP). Der Schwerpunkt liegt dabei in den traditionell evangelischen Gebieten Frankens. War eine Mitgliedschaft im Posaunenchor früher nur Männern vorbehalten, so sind längst auch Mädchen und Frauen aktiv.

Inzwischen erklingt nicht mehr nur Kirchenmusik für den Gottesdienst oder die Beerdigung, sondern beispielsweise auch Volksliedgut und Swing. Der Posaunenchor Heiligenstadt beteiligt sich etwa an Konzerten und tritt bei örtlichen Feierlichkeiten wie Weihnachtsmarkt und Osterbrunnenfest auf. 72 Jahre alt ist das älteste Mitglied, 13 Jahre das jüngste. Der Altersdurchschnitt liegt bei 32 Jahren. Von Nachwuchsproblemen keine Spur.

So geht es auch vielen anderen Posaunenchören in Bayern, gerade auf dem Land. Ernste Nachwuchssorgen gibt es nach Verbandsangaben nicht. In der Stadt sei die Suche nach jungen Bläsern allerdings zuweilen schwierig, räumt der Leitende Landesposaunenwart Dieter Wendel ein (siehe Kasten).

Im Markt Heiligenstadt aber ist die Welt noch in Ordnung. Posaunenchorleiter Wretschitsch findet es gut, dass jetzt auch die moderne Kirchenmusik Einzug ins Repertoire gehalten hat. Manchmal ergänzt ein Schlagzeug oder ein E-Bass die Bläser. „Das kommt gerade bei der Jugend gut an“, sagt er. „Wir spielen eben alles – von Beatles bis zu Bach“, erklärt er und schmunzelt.

Auch der bayerische Landeskirchenmusikdirektor Michael Lochner ist überzeugt: „Es ist eine große Breite, die Posaunenchöre abdecken können.“ Er hat obendrein auch soziale Aspekte im Blick – schließlich sei ein Posaunenchor eine generationenübergreifende Gruppe. Oft sitze der Enkel neben dem Opa in der Probenstunde. Und wenn der Posaunenchor dann beispielsweise im Pflegeheim oder im Krankenhaus auftrete, sei das ein schönes Ehrenamt – gerade für Jugendliche. Mit modernen Liedern treffe der Posaunenchor zudem den Geschmack junger Menschen, sagt Lochner. Und beim Bach-Choral kämen sie auch mit klassischer Musik in Verbindung: „Man lernt Musik aus verschiedenen Epochen kennen."

Von Kathrin Zeilmann

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