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In der Pose eines Weisen

- Wer allzu früh den "Abschiedsabend" zelebriert und mit der Ankündigung, nun aber endlich aufzuhören, auf große Tournee geht, riskiert, wortbrüchig zu werden und nach Jahren doch irgendwie weiterzumachen. Werner Schneyder ist eigentlich in Pension, aber gelegentlich nimmt er doch noch einen Job auf der Bühne an.

Jetzt gab der 69-jährige Österreicher im Münchner Volkstheater den emeritierten Satiriker, der in der Pose eines Weisen, der die Jahre des Zorns hinter sich hat, noch einmal mit Schätzen seines Schaffens aufwartet - zur Freude des Publikums. "Spott und Hohn" heißt das Programm, das - jedenfalls an diesem Abend - das eigene Werk mit dem großer Ahnen verband.

Und da hat sich Schneyder in beste Gesellschaft begeben und so manche Trouvaille gehoben, so manches Schmuckstück ins Licht der Erinnerung gerückt. Natürlich ist alles aus einer anderen Zeit, es geht um Militarismus (Erich Kästner: "Die andere Möglichkeit"), um Heldenepen, die in der warmen Stube entstehen, um Majestätsbeleidigung (Frank Wedekind: "Der Zoologe von Berlin"), unbedingten Gehorsam oder einen konservativen Rebellen (Erich Mühsam: "Der Revoluzzer"). Aber auch Liebe und Vergänglichkeit (Mascha Kaleko: "Der nächste Morgen") kommen nicht zu kurz. Ein wenig anachronistisch, gewiss - und doch kostbar. Gute (politische) Lyrik funktioniert immer.

Im zweiten Teil lässt Schneyder sich dann selbst zu Wort kommen, bringt noch einmal die großen Themen zur Sprache - Politiker und Experten ("Wenn Politiker von ,Sofortprogrammen’ reden, dann ist es zu spät."), Krieg und Kriegsgewinnler, Ökonomie und Ökologie, Gott und die Welt. Dass er seine Aphorismen gern als "Merksätze" bezeichnet, dass er ("Man fragt mich oft, worüber ich lache.") bereitwillig den großen alten Mann des Kabaretts gibt - sei's drum. Das Denkmal, an dem er schon einmal selbst zu bauen beginnt, hat er ja verdient.

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