Posse mit Gesang

- "Musik ist heilige Kunst." So bricht es aus dem idealistischen Komponisten heraus, den der heilige Zorn entflammt hat. Soll doch seine Opera seria mit einer gemeinen Posse verwurstet werden. Zum Glück ist die Anführerin der Komödiantentruppe ein reizendes Mädchen, und der Komponist knickt ein zum Kompromiss. Den alltäglichen Künstler-Kampf zwischen hohem Ideal und trivialer Wirklichkeit führen Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal im Vorspiel ihrer Oper "Ariadne auf Naxos" hinreißend vor. Changierend zwischen Witz und überbordendem Gefühl.

<P>Bei den 16. Richard-Strauss-Tagen in Garmisch-Partenkirchen erlebte das Publikum am Wochenende im Festsaal Werdenfels einen weiteren, finanzbedingten Kompromiss: eine halbszenische Aufführung, betreut von Harald Thor. Auf der kleinen Bühne schauten die Zuschauer zunächst auf die schäbige Rückseite der Kulissen, erblickten sich via Video auf der Rückwand schließlich selbst und sahen dann (in der Oper) die Vorderseite der Versatzstücke in tiefem Blau - des Meeres oder des Nachthimmels, an dem zum Happy End die Sterne funkelten - von wegen halb szenisch. Zwischen Notenpulten "agierten" mit kleinen Gesten und Gängen die Sänger in Abendkleidung. Derweil musizierte das Münchner Rundfunkorchester zu ebener Erde, gleichauf mit dem Publikum im Parkett.</P><P>Oper über die Oper</P><P>Der temperamentvolle Ulf Schirmer entlockte ihm schöne Soli (Holzbläser, Streicher), zum Glück, denn sie stachen in der spröden Akustik besonders prägnant hervor. Der Klang mischt sich in diesem trockenen Raum nur schwer, sodass Einzelinstrumente manchmal isoliert aufblitzten, während der Gesamtklang oft zu laut geriet. Strauss trumpft aller kammermusikalischen Finesse seiner "Ariadne" zum Trotz zuweilen mächtig auf. Eine Verführung, der auch Schirmer nicht widerstand. So mussten die Sänger, Ariadne und Bacchus vorneweg, sämtliche Kräfte mobilisieren: Melanie Diener sang ihre erste Ariadne zunächst ganz auf Technik, überzeugte aber mit edler Linienführung und schönen Aufschwüngen (trotz kleiner Intonationstrübungen). Frank van Aken stellte sich dem bacchantischen Kraftakt mit gestähltem Wagnertenor. Laura Clycomb kokettierte als Zerbinetta mit Erfolg - auch beim Publikum -, stimmlich flexibel, in der extremen Höhe leicht geschärft.</P><P>Schönheit und Ausdruck vereinte Lioba Braun bei ihrem Debüt als emphatischer Komponist, sekundiert vom wohltönenden Olaf Bär als Musiklehrer. Konrad Jarnot führte mit Charme und weichem Bariton das Komödiantenquartett an, Julia Rempe mit silbrigem Sopran das Damen-Terzett. Und der Zürcher Opernchef Alexander Pereira amüsierte als bornierter Haushofmeister mit leicht wienerischem Akzent.</P>

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