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Das Potter-Komplott: Muss Harry sterben?

- London - Todesahnungen machen sich breit. Die Fans von Harry Potter sind erschüttert, Internet-Chatrooms vibrieren vor Aufregung. Ausgerechnet die geistige Mutter des bekanntesten und beliebtesten Zauberers der Erde ergeht sich in düsteren Andeutungen über seinen möglichen Tod.

Macht Joanne K. Rowling aus dem siebten und letzten "Harry Potter"-Band ein Buch des Grauens?

"Es wird ein Preis gezahlt werden müssen", warnt die Kinderbuchautorin, die mit einem Vermögen von umgerechnet mehr als einer Milliarde Euro mittlerweile die reichste Frau Großbritanniens ist. "Schließlich haben wir es hier doch mit dem echten Bösen zu tun. Das schert sich nicht um Nebendarsteller, es zielt auf Hauptcharaktere."

Richard und Judy, die beiden Interviewer, wirken fassungslos. Aber wer, um Gottes Willen? Etwa Harry selbst? Oder seine Freunde Hermione und Ron? Oder gar alle drei? Nein, nicht drei, nur zwei Figuren werde sie ins Jenseits befördern, lässt die 40-jährige Autorin wissen. "Eine bekommt eine Begnadigung."

Genaueres will sie auf keinen Fall berichten. Rowling verweist auf ihre Tochter Jessica. In der Schule, beim Einkaufen, wo immer sie auftaucht, wird die Zwölfjährige von Fans bedrängt, die wissen wollen, was im letzten Band der Zauberer-Serie geschieht. Das sei schon schlimm genug. Bis zum Erscheinen im nächsten Jahr müssen die Potter-Fans die Ungewissheit quälend lange ertragen.

Kann man Kinderbücher noch geschickter vermarkten? Die ersten Bände spielten mit Magie und auch mit Ängsten, hielten sich aber kindgerecht in der Darstellung des Schrecklichen zurück. Die Leser wurden mit den Folgebänden älter. Es ging immer härter zur Sache. Und schließlich wurde den lieben Kleinen, die inzwischen zu Jugendlichen herangewachsen waren, sogar Morde zugemutet.

"Avada Kedavra!" heißt Rowlings Todesfluch. Wen er treffen würde, war im vergangenen Jahr schon Monate vor dem Erscheinen des sechsten Bandes die am meisten diskutierte Frage in der Millionen-Gemeinde der Potteristen. Dass Rowling die überaus beliebte Hauptfigur des Professor Albus Dumbledore, des Leiters der Zaubererschule Hogwarts, opfern würde, war bis zum Verkaufsstart das bestgehütete Geheimnis der Verlagswelt.

Nun wird die zweifellos verkaufsfördernde Methode Mörderrätsel erneut angewandt. Diesmal gleich mit zwei Opfern. Und eines davon könnte gar die mittlerweile wohl bekannteste Gestalt in der gesamten Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur werden.

Der Gedanke scheint genial. Denn so viel ist Rowling offenbar ganz klar: Dass sie nach "Harry Potter" mit einer anderen Figur und einer anderen Handlung an den gewaltigen Erfolg ihrer ersten sieben Bücher anknüpfen kann, ist kaum wahrscheinlich. Warum also den Helden nicht sterben lassen?

"Agatha Christie hat das mit Poirot gemacht", sagt Rowling vieldeutig. "Sie wollte ihn lieber selbst erledigen... " Dann wird sie deutlicher: "Ich verstehe voll und ganz die Mentalität eines Autors, der sich sagt "Ich töte ihn lieber selbst", denn das bedeutet, kein anderer Autor kann hinterher irgendwelche Fortsetzungen schreiben."

Was Harry für sie bedeuten würde, hat Rowling am Anfang wohl selbst nicht geahnt. "Ich war wie ein Kaninchen, dass von Scheinwerfern erfasst wird", sagt die Autorin im Rückblick. Inzwischen ist sie völlig souverän, die Herrin des Potter-Komplotts. Nur ein Gedanke macht ihr - wie sie selbst zugibt - ein wenig Angst: Der Gedanke an ein Leben ohne neue Potter-Bücher. "Ich glaube nicht, dass es für mich einen zweiten Harry geben wird. Sowas widerfährt einem nur einmal."

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