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„Hier kann sich jeder von uns so richtig austoben“: „Power! Percussion“ ist am kommenden Sonntag im Münchner Prinzregententheater zu erleben.

Porträt zum Konzert

Überraschungspakete aus dem Baumarkt

München - Trommeln ist in, keine Frage. Weltweit sorgen Truppen wie „Kodo“, „Stomp“ oder die „Blue Man Group“ für ausverkaufte Hallen. Aber warum immer gleich in die Ferne schweifen, wenn es auch in München ein Ensemble gibt, das den Rhythmus der Trommeln im Blut hat?

Hinter der internationalen Konkurrenz muss sich „Power! Percussion“ keineswegs verstecken. „Als wir damals angefangen haben, waren die anderen noch gar nicht so bekannt“, erinnert sich Gründungsmitglied Stephan Wildfeuer in einer kurzen Probenpause. „Aber da lag etwas in der Luft, und man hat schon geahnt, dass das bei den Leuten ankommen könnte.“ Bei seinen Kollegen von der Münchner Musikhochschule war in dieser Hinsicht ohnehin keine große Überzeugungsarbeit mehr nötig. Ebenso wenig wie bei einigen befreundeten Schlagzeugern aus der Rock- und Jazz-Fraktion. Und so kam es 1997 zum ersten öffentlichen Auftritt von „Power! Percussion“.

Zwölf Jahre sind es nun also schon, in denen Wildfeuer und seine Mitstreiter mit ihrer Trommelakrobatik die Bühnen der Welt unsicher machen. Und das immerhin so erfolgreich, dass die anfängliche Nebenbeschäftigung für sie alle zum Hauptberuf geworden ist. Anders ließe sich „Power! Percussion“ auch gar nicht mehr auf dem selbst gesetzten hohen Niveau verwirklichen. Rund ein Jahr Planung und Koordination stecken allein im aktuellen Programm, das am Sonntag im Prinzregententheater zu sehen sein wird. Wie von „Power! Percussion“ nicht anders gewohnt, liegt das Erfolgsrezept in einer gesunden Mischung aus Klassischem und Innovation. Schließlich sollen auch die Wiederholungstäter im Publikum etwas Neues geboten bekommen. Und an kreativen Ideen herrscht bei den Schlagzeugern selbst im zwölften Jahr kein Mangel.

Mehr als 100 Arbeitsgeräte unterschiedlichster Bauart sind es, die im Keller ihres Probenraumes am Isarkanal griffbereit lagern. Trommeln, Bongos, Gongs, Marimba-, Xylo- oder Vibraphone und noch vieles andere mehr. Darunter zahlreiche exotische Instrumente, die dem Besucher eines „normalen“ Sinfoniekonzerts eher selten begegnen dürften. „Im klassischen Bereich wird es für uns Schlagzeuger ja eigentlich erst von Mahler aufwärts so langsam interessant“, bestätigt Jürgen Weishaupt. „Aber hier kann sich jeder von uns so richtig austoben.“ Schließlich steht das Ausrufezeichen im Namen nicht ohne Grund an seinem Platz.

Wild geht es deshalb bereits auf den Proben zu, wo aus spontanen Improvisationen Eigenes oder neue Arrangements bekannter Klassiker entstehen. „Meistens kommt da einer von uns mit einer Idee oder einem neuen Instrument an, und dann schauen wir gemeinsam, was sich daraus machen lässt.“ Wobei man sich unter dem, was Stephan Wildfeuer hier als Instrument bezeichnet, schon mal ein paar Blumentöpfe und Plastikrohre aus dem nahegelegenen Baumarkt vorstellen darf oder eine simple Aluminium-Trittleiter, die von den Herren zu perkussiven Zwecken missbraucht wird. Gerade diese Überraschungspakete sind es, die immer wieder für spontanen Applaus und Begeisterung sorgen. Ganz egal ob in Berlin, Salzburg oder Peking, wo man im vergangenen Jahr seinen umjubelten Einstand gab.

„Ein Konzert in München ist natürlich trotzdem etwas Besonders, weil es für uns eine Art Heimspiel ist“, freut sich Rudi Bauer. „Als wir vor eineinhalb Jahren das letzte Mal hier gespielt haben, war das Publikum ein absoluter Wahnsinn. Eine super Stimmung!“ Und wie das typische „Power! Percussion“-Publikum aussieht? Auch dafür haben die Herren eine kurze und knappe Antwort parat: „Untypisch! Genau wie wir halt. Rhythmus spricht einfach jeden an. Da kann der Opa mit seinen Enkeln hinkommen, und alle werden ihren Spaß haben. Mit zehn Flöten auf der Bühne wäre das wahrscheinlich schwierig, aber mit Schlagzeug wird es so schnell nicht langweilig.“

Konzert diesen Sonntag, 19.30 Uhr, im Prinzregententheater, Tel. 089 / 54 81 81 81.

von Tobias Hell

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