Pracht des Gepränges

- Als "Gemütsbrücke für die Identifikation mit der kulturellen Zukunft" konzipierten Museumsdirektor Franz Niehoff und seine Mitarbeiter die Ausstellung zum Landshuter Stadtjubiläum in der Residenz Herzog Ludwigs X.: "Landshut - 800 Jahre Altbayern im urbanen Spiegel". "Was morgen sein wird, wird im Heute gelebt", lautet einer von Niehoffs Leitsprüchen. Es gelang, durch all' die Jahrhunderte seit der Gründung durch Herzog Ludwig den Kelheimer - zu Füßen der Burg Trausnitz am rechten Isarufer 1204 - die Gegenwart und die neuere Geschichte mit älteren Zeitläuften in Beziehung zu setzen: Gegenstände und Mitteilungen erläutern die Gegenwart des Historischen, getreu der Formel Sören Kierkegaards, dass das Leben vorwärts gelebt und rückwärts verstanden wird.

<P>Der Rundgang durch immerhin drei Stockwerke ermüdet daher an kaum einer einzigen Stelle. Nehmen wir das hölzerne Stadtmodell im dritten Stock samt zugehöriger Planung. Alle Entscheidungen zum Ensemble der Innenstadt Landshuts bedürfen seit 30 Jahren dieser begleitenden Orientierung. Oder der als "Schaufenster der Identitäten" die Schau eröffnende Kunstkammerschrank. Die Historie der städtischen Gemeinschaft reicht von Wappen und Wahrzeichen bis zum Bilderbuch und Heimatkundeheft.<BR><BR>Die Geschichte der Landshuter Hochzeit begegnet der besorgten Frage, ob sich der gewaltige Aufwand für Tourismus und Heimatpflege heute noch lohne. Schon 1903 äußerte sich diese Skepsis. Doch die Pracht des Gepränges und das Engagement der unzähligen Mitwirkenden wie Gäste beweisen, dass hier kaum etwas wirklich vergangen ist. <BR><BR>Noch im 19. Jahrhundert musste jeder Bürger, um im Brandfall gemeinschaftsfähig zu sein, einen Löscheimer erwerben. Als Zeichen tätigen Bürgersinns wurde "genau diese Löscheimerkette für die Inszenierung der Kulturgeschichte dieser Stadt unser Leitbild", so Niehoff. Rote und weiß-blaue Hydranten der Freiwilligen Feuerwehr waren ein willkommener Zufallsfund.<BR><BR>Herzog Ludwig X. holte sich Italien</P><P>Die Siedlungsgeschichte der Region ist unter anderem eng verbunden mit der Töpferei, die hier die geeigneten Böden fand. Ein keltischer Keramikbrennofen aus Landshut-Sallmannsbergwurde eins zu eins nachgebaut. Nicht weit davon: ein Aquamanile der wohl zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts - ein Stück von suggestiv magischer Wirkung. In einem der Museumsräume steht ein großer, aus einer hundertjährigen Linde gehauener Isar-Einbaum, der Typus der hierzulande ältesten Wasserfahrzeuge.<BR><BR>Die Räume der Bildhauer und Maler haben - erläutert durch die Werkzeuge und Zunftzeichen - ihre Zentren in einem großen Johannes-Engel Christian Jorhans d. Ä. und in einem glatzköpfigen Putto Wenzeslaus Jorhans (um 1730/40) sowie im Christus-Corpus von Pinkofen (Landshut, 1520-30). Es folgen die fünf am Hochaltar von St. Martin abgebauten Sandsteinfiguren (um 1724).<BR><BR>Bestens verstehen es die Landshuter Museumsleute, die Thematik ihrer Ausstellungen in relevante altbayerische Zusammenhänge zu stellen. Diesmal reicht der Blick ins Europäische. Als hochwertiger Veranstaltungssaal empfiehlt sich im zweiten Stock dieser 1536-43 errichteten Stadtresidenz der im Zuge der Sanierungen restaurierte Deutsche Saal mit seiner exquisit intarsierten, originalen Kassettendecke der Renaissance. Die staatliche Wiederherstellung (3,27 Millionen Euro) wurde bisher nur dem museal genutzten Deutschen Bau zuteil.<BR><BR>Nur in Führungen ist der nach Plänen Giulio Romanos, des Lieblingsschülers Raffaels, errichtete Italienische Bau mit den Prunkräumen Herzog Ludwigs X. zugänglich. Der Rundgang durch die mit Dekorationen und figürlichen Malereien versehenen hohen Säle entspricht einer Reise zur Residenz und zum Palazzo del Tè` in Mantua. Dieses nördlichste Zeugnis der italienischen Spätrenaissance harrt der Fortsetzung restauratorischer Bemühungen. </P><P>Bis 2005, Residenz, Altstadt 79; Tel. 0871/9 22 38 90.</P>

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