Prachtgewänder aus Palmen

- "Bakuba" - noch nie gehört. Afrikanische Skulpturen und Masken sind uns nicht unbekannt, aber die Tücher und Matten dieses Königreichs sind sozusagen weiße Flecken auf der Kunst-Landkarte des Schwarzen Kontinents. Die füllt nun die Ausstellung "Traumzeichen - Textil-Design des Königreichs Bakuba" in der Kur-Wandelhalle von Bad Tölz.

Die auf afrikanische Kunst spezialisierte Zürcher Galerie Walu (freundschaftlich verbunden mit der Jodquellen AG) hat rund 60 dieser einmaligen Objekte zur Verfügung gestellt, um in eine rein ornamentale, aber wunderbar vielfältige Welt zu entführen.

Schade nur, dass für die Schau nicht offensiv geworben wird. Wenn Besucher zum Beispiel am Alpamare-Parkplatz ihr Auto abstellen, erfahren sie weder, wo's zur Wandelhalle geht, noch, wo die "Traumzeichen" zu finden sind. Selbst am Eingang des als Europas größte Trink- und Wandelhalle angepriesenen Baus (circa 2500 Quadratmeter; errichtet 1929/ 30 von Heinz Moll und Ernst von Velden) muss man die Zeichen schon sehr genau zu deuten wissen, um zu den Werken vorzustoßen.

Sicher wird sich das ändern, wenn die Jodquellen AG die Halle wirklich für kulturelle Zwecke - Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Theater - intensiver nutzt, wie sie es ankündigt. Auch das Gebäude selbst muss noch weiter saniert werden. Wenn man den Erfolg will, sollten außerdem die Veranstaltungen professioneller durchgeführt werden. "Traumzeichen" zeigt, dass es da noch ganz schön hapert. So beeindruckend die Exponate, so optisch hilflos die Präsentation. Es gibt obendrein keine Beschriftung, nur ein Faltblatt auf Nachfrage, obwohl doch gerade bei solch einem "fremden" Thema Informationen unerlässlich wären.

Immerhin erklärt die Broschüre interessant, dass das Königreich Bakuba im abgeschiedenen Süden des heutigen Kongos weder von den Sklavenhändlern noch vom Kolonialismus kulturell zerstört wurde. Nachdem sich aus einem Clansystem das Königreich entwickelt hatte, wollten die "Höfe" repräsentativen Prunk. Dazu gehörten die bis zu zehn Meter langen Wickeltücher mit ihrem Design, das auf uns Heutige absolut modern wirkt. Nur Männer webten diese Stoff-Teile, und zwar aus Fasern der Raphia-Palme.

Nach der Länge der Faser richtet sich die Größe der Stücke. Die wurden dann zusammengefügt. Natürlich wollten die feinen Herrschaften individuelle Muster. Dennoch lassen sich Gruppen unterscheiden: raffinierte Raster aus schwarz-weißen Streifen-Quadrat-Ordnungen, piktogrammartige Spielereien oder wie gezeichnete, nur von den Frauen gestickte, verschlungene Geometrien auf unifarbenem Grund. Da mit Naturpigmenten gefärbt wurde, finden sich vor allem Rottöne, Schwarz und ein weißliches Hellbeige.

Faszinierend ist die gestalterische Kraft der Bakuba, insbesondere der Bushoong, faszinierend ist die unerschöpfliche Kunstfertigkeit. Da gibt es Applikationen, Stoff-Aufdickungen und sogar richtige Velours-Arbeiten, sodass ein Relief-Eindruck entsteht; da gibt es Loch- oder feinste Ornamentstickereien; kleine Bommeln finden sich genauso wie Raffungen am Rand oder Muscheln. Bis zu einem Jahr arbeiteten die Menschen an so einem Gewand. Und wir erinnern uns, wie herrscherlich-wichtig auch in unseren Breiten Web- und Stickkunstfertigkeit einst war: Penelope, Odysseus' Frau, fertigt ihr Schicksalstuch. Im "Nibelungenlied" wird das "Outfit" ausführlich besungen, und noch heute steckt zum Beispiel das priesterliche Ornat voller Symbolik.

Bis 20.9., täglich außer montags 11-19 Uhr, Eintritt frei; Ludwigstraße 13-15 am Herderpark, Tel. 080 41/50 90; hübsches Café´ vorhanden.

Weitere Pläne: Vom 15. bis 20.9. gibt es eine Performance mit "Birdmen", die einen "Vogelpark" entstehen lassen.

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