Bluttat in Unterföhring: Polizistin wird wohl nicht mehr aufwachen

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Auf dem Präsentierteller

"Die Probe" in den Kammerspielen: - Figuren wie aus dem Playmobil-Sortiment. Kantig ihre Plastikperücken, eckig und grell in den Farben ihre Klamotten. Modellpuppen. Menschen-Schablonen, wie sie auf jede TV-Psycho-Talkrunden-Couch passen. So wird sich vermutlich Lukas Bärfuss das Personal seines Stücks "Die Probe" doch nicht gedacht haben.

Aber in der Uraufführung an den Münchner Kammerspielen setzt Regisseur Lars-Ole Walburg Vater, Mutter, Sohn, Schwiegertochter und Freund der Familie auf einen realismusfreien Präsentierteller, eine Drehscheibe des Lebens, im speziellen Fall des Lebens der Politikerfamilie Korach. Und hat wohl damit dem Stück keinen schlechten Dienst erwiesen.

Denn Bärfuss‘ Figuren sind nur Stereotypen. Sie bleiben ohne Eigenleben, reden in Thesen und Verlautbarungen. Dem Autor fehlt noch die richtige Tatze zum Schreiben von Dialogen.

Indem Walburg zu den Personen auf Distanz geht, sie ausstellt wie in einem Panoptikum, nimmt er dieser Yellow-Press-Story die Trivialität. Er gibt der Geschichte um Vaterschaft und Kuckuckskinder, jedenfalls so wie sie Bärfuss erzählt, die notwendige Komik. Auch den Mord oder Selbstmord -­ in der Mitte des Stücks ein Autounfall, am Ende ein Schuss -­ steigert Walburg hier ins Makabre. Er lässt den toten Sohn, ganz in Weiß und mit einer schwarzen Trauerschärpe versehen, elegisch und dezent inmitten der Lebenden auf dem Ledersofa herumgeistern.

Lukas Bärfuss hat sie hier alle versammelt, die Egoisten der Gesellschaft: das Alt-68er-Elternpaar mit seinen verlogenen Idealen von Toleranz und heiler Familie ­ Mutter Helle ständig auf Indien-Trip, Vater Simon ringt ehrgeizig um ein politisches Amt; dazu den ins Spießbürgertum abgedrifteten Sohn Peter, seine schöne, kalte Frau Agnes und Franzeck, den Hochgekommenen, den glaubwürdigen Falschspieler, der dem Familienboss den Wahlkämpfer macht. Er ist sozusagen der Jago des Stücks, der das Gift des Zweifels verabreicht. Mit Erfolg.

Peter macht sofort den Vaterschaftstest. Der ist überhaupt erst der Auslöser für die Familientragödie und für dieses Stück sowieso, in dessen Verlauf der Autor noch für manche Überraschung sorgt. So will "Die Probe" nicht nur ein Problemstück sein, sondern -­ wenn sie so gut gespielt wird wie in dieser Uraufführung -­ auch ein gutes Stück Unterhaltung. Für die notwendige Spannung und den Witz sorgen vor allem die "Alten". Gundi Ellert als Mutter: eine herrliche Matrone aus der Selbsterfahrungsgeneration, gesegnet mit den Weisheiten indischer Gurus, komisch in ihrer Aufgeplustertheit. Hans Kremer als Vater: der verspießbürgerlichte Achtundsechziger, der eitle Machtpopanz, bei diesem Schauspieler die glänzende Parodie auf Politprofis jeder Couleur. Und schließlich Stefan Merki, der im wahrsten Sinne den Zukurzgekommenen spielt, den bösen Zwerg und gleichwohl Entertainer, Spielmacher der Handlung. Mit schöner Ironie versehen Katharina Lorenz, erfreulicher Neuzugang im Ensemble, und Oliver Mallison das junge Paar.

Lukas Bärfuss hat sich für sein Stück vielerorts bedient, hat von allem sozusagen eine Probe genommen: von der Bibel und der Antike, von Shakespeare und von Wagner, von Ibsen und aus aktuellen Zeitungsberichten, kurz, von überall, wo die Macht der Familie ihr archaisches Gesetz anwendet. Ein wirklich tolles Stück ist dennoch nicht daraus geworden. Aber eine gut inszenierte Kolportage ist ja auch nicht schlecht. Das dachte sich ebenso das Premierenpublikum und spendete großen Beifall.

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