Präsenz mit Charisma

- Alle Jahre wieder rücken sie an, die Tournee-Compagnien, rekrutiert aus Russlands nach der Umgestaltung nicht mehr ganz so üppigem Tänzerreservoir. Den Auftakt in München machte jetzt das Russische Staatsballett von Wjatscheslaw Gordejew mit "Nussknacker".

Ganz kann Gordejew den zwangsläufigen Reise-Charakter nicht wegwischen. Aber der ehemalige Bolschoi-Star - sein Gastspiel mit Ehefrau Nadeschda Pawlowa vor Jahren beim Staatsballett noch gut in Erinnerung - hat sein Moskauer Ensemble doch sehr gut in Schuss.

Mit gemaltem Dekor, bunten Kostümen und lichterfunkelndem Tannenbaum machte er die dröge Konzertbühne der Philharmonie fast vergessen. Und wenn diese "Nussknacker"-Inszenierung choreographisch auch etwas leichtgewichtig ist, so bekommt sie doch eine schöne Atmosphäre durch Onkel Drosselmeiers Puppentheater mit Harlekinen, Säbeltänzern und seine für Maries Traum inszenierten exotischen Tänze aus China und Indien.

In der Handlung getreu nach dem "Nussknacker"-Libretto von Petipa/Iwanow, träumt die kleine Marie auch von der Schlacht zwischen Mäuseheer und den von ihrem Nussknacker angeführten Spielzeugsoldaten. Und mit ihm, alsbald verwandelt zum schmucken Prinzen, tanzt sie frisch verliebte Pas de deux. Die beiden technisch attraktiven jungen Solisten absolvieren ihre Partien mit charismatischer Präsenz.

Gordejew hat überwiegend junge Tänzer - manche wohl noch Studenten oder gerade erst von der Akademie diplomiert -, deren unverbrauchtes Engagement dem Ensemble aber nur zum Vorteil gereichen. Tschaikowsky vom Band, immer ein Handicap, ließ zumindest erkennen, dass hier gut und auf den Takt der Musik geprobt worden war.

Es folgt noch im Januar das St. Petersburger Staatsballett: am 9. 10. "Nussknacker", 11./12. "Schwanensee", 19./20. "Dornröschen"; Karten: 089/54 81 81 81.

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