Präziser geht's nicht

- Seine Geschichte dauert nun schon fünfzig Jahre, goldene Zeiten hat das Beaux Arts Trio erlebt, vor allem in den 60ern und 70ern. Es folgten einige problematische Umbesetzungen bei den Streichern, seit 2002 spielt das Ensemble wieder in kontinuierlicher Formation: der Geiger Daniel Hope, Antonio Meneses, Violoncello, und als Spiritus Rector des Unternehmens wie eh und je Menahem Pressler am Klavier. Unterschiedliche Künstler, unterschiedliche Interpretation, klar. Wer Aufnahmen aus den 50 Jahren seines Bestehens kennt und jetzt die beiden Beethoven-Abende des Trios im Münchner Herkulessaal verfolgt hat, der mochte davon einen Eindruck bekommen: Wie wandelbar Musik ist je nachdem, wer sie spielt.

Was also ist gleich geblieben, was hat sich verändert? Stupend nach wie vor das Zusammenspiel: Wie die drei in einer der Zugaben, dem Scherzo aus Mendelssohn Bartholdys erstem Klaviertrio, die Noten zueinander tupften - präziser, mehr auf den Punkt geht wohl schwer; Menahem Pressler ist der stets kregle Kommunikator, der solches ermöglicht. Anders Klangbild und Dynamik.

Hier scheint anstelle der funkelnd extrovertierten Brillanz früherer Zeiten eine zarte Nachdenklichkeit getreten zu sein, eine Melancholie der leisen, leisesten Töne. Fast geisterhaft huscht das Scherzo von Beethovens Klaviertrio G-Dur op.1/2 vorüber, und wenn in der zweiten Moll-Variation aus Opus 44 die Streicher der Klage des Klaviers fahle Non-Vibrato-Akkorde zur Seite stellen, dann ist es für einen Moment so, als wolle die Musik schrecklich eisig erstarren.

Solch ein Expressionismus - Hope scheint hier mehr als Meneses selbstbewusst die treibende Kraft - mag bisweilen bis an die Grenze des Manierismus gehen und kommt dabei dennoch nie aus dem Gleichgewicht. Denn wie weit ihr Ausdrucks-Spektrum auch in die andere Richtung reicht, bewiesen die drei im temperamentvoll herausgespielten Finale aus dem Es-Dur-Trio op. 70/2 ebenso wie in der zweiten Zugabe, dem glühend-wachen letzten Satz aus Dvoraks "Dumky"-Trio.

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