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Praktische Handreichungen fürs Massengrab

- Falls Sie in einen Krieg verwickelt werden sollten, der ja häufig unangenehme Begleiterscheinungen aufweist, bietet Franz Hartmann (Jahrgang 1980) diverse Hilfen an. Zum Beispiel: den "Ihr-gutes-Recht-Beutel". Das Wimmerl, das man bequem umschnallen kann, enthält nicht nur die Genfer Konvention zum Nachschlagen, sondern auch gleich vorgedruckte Anzeigenformulare zur Ahndung unbotmäßigen Soldatenverhaltens.

In der Galerie der Künstler präsentiert eine Schaufensterpuppe auf einem Sockel jetzt diesen "Beutel" für die Ausstellung "Dem Schönen Wahren Guten". Auf Sockel zwei und drei stellen sich Otto Dressler (1930 geboren) und Wolfram P. Kastner (1947) vor. Letzterer mit der schwarzrotgoldenen "Deutschen Seife", mit der man die Hände nicht nur in Unschuld waschen kann, sondern auch Schaum schlagen und naturgemäß einseifen; Dressler mit einem Waffen-Stillleben und dem beliebten Spruch "Es ist süß, fürs Vaterland zu sterben" (Horaz).

Alle drei sind Aktionskünstler, die kritisch auf gesellschaftliche Probleme reagieren, und zwar nicht im Stillen, sondern in aller Öffentlichkeit. Reaktionen wie Unterstützung, Beschimpfung, juristisches Eingreifen gehören dazu, erweitern das jeweilige "Werk". All das in einer Schau darzustellen, ist nicht leicht. Aber in der Galerie der Künstler gut gelungen. Einerseits optisch; andererseits kann jeder der drei sein Konzept aussagekräftig mit "Relikten", "Requisiten" und Dokumenten darlegen. Natürlich ist diese Polit-Kunst plakativ, aber das steht ihr zu.

So spannt Dressler im "Jahrhundertkreuz" ein Soldatenskelett in Metallregal-Träger genauso wie die in "Blut" gesunkene DDR-Fahne oder das Hakenkreuzbanner, unter dem sich ein Erschlagener/ Verbrannter krümmt. Leuchtschrift zählt die Orte auf, an denen Neonazi-Verbrechen begangen wurden. Kastner lässt ebenfalls das Thema nicht los. Auch heuer hat er beim Gräberumgang wieder die SS-Kranzschleife (vom Veteranenverband) auf dem Salzburger Kommunalfriedhof abgeschnitten. Filme, Fotos, die Verurteilung (nicht der SSler!) wegen Sachbeschädigungen, Grablichter vergegenwärtigen in der Ausstellung die abstoßende Situation - "SSehStörung". Daneben die "17 Koffer", die die Stadt München am Hildebrandhaus nicht auf Dauer stehen lassen wollte. Die Koffer symbolisieren die 17 jüdischen Bewohner des Gebäudes, die von den Nazis ermordet wurden.

Da weiß man doch wieder: Hartmanns praktischer "Gedenkstättenrohling" am Massengrab für die "Unbekannten Weltbewohner" - mit Gebrauchsanweisung -, ist nicht überflüssig.

Bis 25. 11., Maximilianstr. 42, Tel. 089/ 22 04 63.

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