Prelude als ein Drama in Kurzform

- Über seine Technik braucht man gar nicht erst zu reden. Sie ist einfach da und gibt ihm die Freiheit, die Musik zu gestalten, sie lebendig und beredt zu machen. Yefim Bronfman, der am Montagabend wieder einmal im Münchner Herkulessaal zu Gast war, schaltete vor "die Russen", die das Markenzeichen des in Taschkent aufgewachsenen, heute in den USA lebenden Pianisten sind, Beethoven und - man höre und staune - Esa-Pekka Salonen.

<P>Im Largo von Beethovens D-Dur Sonate op. 10 widerlegte Bronfman das Etikett vom kraftstrotzenden Motoriker mit wunderbar fahlen Klängen, ließ die Dissonanzen (schon) von Schubert'scher Trauer und Verlorenheit künden oder setzte sie wie einen Aufschrei. Das trotzige Forte beantwortete er im Diskant mit leise tröpfelnder Verzweiflung. Im Menuett trillerte er dann wieder Heiterkeit herbei und ließ die Ecksätze in ihren Licht- und Schattenwirkungen - im Finale mit gesteigerter Brillanz - miteinander korrespondieren.</P><P>Mit den maschinenhaften Repetitionen des "Mé´canisme" hämmerte Bronfman den Hörern nachdrücklich ins Gedächtnis, dass Esa-Pekka Salonen nicht nur ein erfolgreicher Dirigent, sondern auch Komponist ist. Interessant, wie die Formelhaftigkeit langsam aufgeweicht wird, sich in einer neuen Formel wieder verhärtet. Als Kontrast breitete der Pianist in "Organisme" impressionistisch anmutende Klangflächen aus, die an eine sanfte Bewegung, ein Gleiten in Wasser und Luft gemahnten. Erst danach waren Rachmaninow und Prokofjew angesagt: vom ersteren teils sehr lyrisch tönende Preludes aus Opus 23, wobei Bronfman das zweite, kraftvoll-kompakte Prelude wie eine Opernouvertüre als Drama in Kurzform entfesselte.</P><P>Faszinierend, wie er seinen Anschlag variierte - vom hämmernden Marsch (Nr. 5) zum verfliegenden Schlusstupfer. Bei Prokofjew dann bündelte Bronfman all seine Fertigkeiten, steigerte sie virtuos in die Großform. Gab dem Kopfsatz die Unruhe der vielgestaltigen, kleinen Bewegungen, konterte die schmeichelnden Walzeranklänge im Andante mit dissonanter Wucht und wich auch im Finale den gewalttätigen, brutalen Steigerungen nicht aus.</P><P>Das Publikum feierte ihn für Pranke und Samtpfote, die stets sinnstiftend, hochmusikalisch und nicht effekthaschend eingesetzt wurden.<BR><BR></P>

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