Im Zentrum des Verwirrspiels in „Die Falle“: Der Polizeikommissar von Chamonix (Karl-Heinz von Hassel, li.) und Daniel (Christopher Krieg). Foto: Helmut Seuffert

Premiere: „Die Falle“: Garantiert überraschend

München - Agatha Christie, Hitchcock und ein feiner Schuss Feydeau - so könnte man den französischen Autor Robert Thomas (1927-1989) charakterisieren. Sein Theaterstück „Acht Frauen" verhalf Cineast François Ozon im Jahr 2002 zu einem hinreißenden, Star-besetzten Krimi-Melodram.

Thomas’ Welterfolg von 1960, „Piège pour un homme seul“, hierzulande bekannt unter dem Titel „Die Falle“ (Deutsch von Erich Sander), ist ein so raffiniert gebautes Kriminalstück, dass man bei Rüdiger Hentzschels Inszenierung geradezu auf der Sesselkante der Lösung entgegenfiebert. Wer immer schon mal einen Workshop für Hobby-Detektive machen wollte, ist jetzt richtig in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof.

Französisch kühle Ratio kombiniert mit viel hochwallenden Emotionen, das ergibt hier die typische Thomas-Mischung. Der Urlaub im schweizerischen Chamonix ist mehr als verratzt: Nach einem Streit ist Daniel Corbans frisch angetraute Ehefrau Elisabeth spurlos verschwunden. Als kurz darauf in seriöser Begleitung eines Geistlichen eine Dame mit der Behauptung auftaucht, die reumütig zurückgekehrte Elisabeth zu sein, dies mit genauer Kenntnis von Wohn- und Lebensverhältnissen auch zu beweisen scheint, ist Daniel nahe am psychischen Kollaps. Ist sie eine Hochstaplerin? Leidet Daniel an plötzlichem Gedächtnisverlust? Oder lügt er, weil er Elisabeth loshaben will? Christopher Krieg spielt diesen Daniel mit großer Durchhaltekraft als bis in die Haarspitzen bebendes Nervenbündel in den Fängen der vermeintlichen Elisabeth. Verena Wengler, im Schlepptau durchgehend Ivan Vrgoc im devoten Priester-Habit, legt diese Rolle derart konsequent hartgesotten und dirigistisch an, dass man sie - tolle Leistung! - nur unsympathisch finden kann. Im Zentrum des Verwirrspiels Karl-Heinz von Hassel, der der Gelassenheit seines TV-Kommissars Brinkmann jetzt einen diskret-dösigen Charme beimischt. Jedenfalls ermittelt er hier als Chamonix’ Polizeikommissar merkwürdig zögerlich.

Irgendwie scheint hier keiner ganz koscher, vom Landstreicher „Seehecht“ (Andreas Pegler) bis zur Krankenschwester (Ines Arndt). Es wird erpresst, Gift in Drinks gemischt, Zeugen werden gekauft oder kurzerhand erschossen. Es ist also, nach Feydeau’scher Art, mächtig was los in diesem Chalet, das mit Tuffstein und Teakholz Fünfzigerjahre-Eleganz ausstrahlt. Klaus-Ulrich Jacobs Bühne ist als kleines Signal zu nehmen, sich in die Intrigen-Bedächtigkeit der Prä-TV- und Prä-Internet-Ära zurückversetzen zu lassen (damals war man eben noch nicht Zapping-verseucht). An den Text-präzisen und dynamisch agierenden Schauspielern liegt es keineswegs, wenn die Handlung nur gemächlich fortschreitet. Aber dafür kommt aus dem Radio nostalgisch schön das alte Chanson „J’ attendrai toujours ton retour“ - „Ich warte immer auf deine Rückkehr“. Französisches Flair und zugleich ironisches Augenzwinkern des Regisseurs - denn Daniel wartet ja immer noch auf die Rückkehr seiner Frau. All dies mag dem Leser jetzt rätselhaft klingen. Geht nicht anders. Es darf nichts, aber auch nichts verraten werden. Aber die Total-Überraschung ist garantiert.

Malve Gradinger

Weitere Vorstellungen bis 3. September;

Telefon 089/ 29 16 16 33.

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