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Hohe Schule der Dressur auf der Bühne, während in den Arkaden der Felsenreitschule Mozarts Oratorium „Davide Penitente“ gesungen und gespielt wird.

Salzburger Felsenreitschule

Premiere bei der Mozartwoche: Äpfel für Amadeus

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Salzburg - Bei der Premiere in der Salzburger Felsenreitschule tanzen die Pferde - zu Mozart.

Reintreten kostet gar nichts, dafür ist der Schuh allerdings mit Mist versaut. 50 Minuten Fiaker-Geruckel durch die Altstadt hat dagegen seinen Preis, rund 90 Euro sind das. Salzburg und die Pferde, das ist eine längere Liaison als die mit Amadeus. Die Schwemme am Mönchsberg, der Pegasusbrunnen im Mirabellgarten, der alte Hofstall, ersetzt durch das an den Vorläufer erinnernde Große Festspielhaus, nicht zuletzt die Felsenreitschule – alles Auftragswerke jener Erzbischöfe, die ihr Pferdenarrentum in gloriosem Barock zum Ausdruck brachten.

Eine Verbindung von Salzburgs besten Verkaufsschlagern war also überfällig, noch dazu, wie jetzt zur Mozartwoche, an jenem Ort, der einst fürs Voltigieren und Dressieren gedacht war. Dabei durften in der Felsenreitschule schon einmal Rösser auf die Opernbühne, im Sommer 2012 war das, als Regisseur Alvis Hermanis in Zimmermanns „Soldaten“ die Vierbeiner friedlich fressen und äpfeln ließ.

Marc Minkowski, der dirigierende künstlerische Leiter der Mozartwoche, hat sich nun etwas anderes ausgedacht, nachdem er in Versailles die Prachtrösser der Académie Équestre um ihren Chef Clément Marty erlebt hat, der sich Bartabas nennt. Ein Mann, knorrig, hager, ernst, im bodenlangen Ledermantel, wie aus dem Fantasyfilm. Erst recht, wenn er mit seinem Tier zu Mozarts Adagio und Fuge KV 546 als Todesbote einsam die Sägespänen-Bühne durchmisst. Die hohe Kunst der Dressur also unten, während Salzburger Bachchor, drei Gesangssolisten und Minkowskis Les Musiciens du Louvre die Arkaden bevölkern.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Mozarts „Davide penitente“, jenes Oratorium, mit dem der Meister Teile der c-Moll-Messe recycelte und das hier ergänzt wird um Instrumentalstücke, ist eine ausgedehnte Klage des reumütigen König David. Singt im zweiten Stock ein Solist, ist unten – je nach Sopran oder Tenor – eine einzelne Reiterin oder ein Reiter aktiv. Beim Duett sind es zwei, beim Doppelchor „Se vuoi, puniscimi“ gibt es eine doppelte Vierer-Phalanx, und beim Tutti... Genau.

Halb links vor dem Geschehen dirigiert Minkowski, dessen Tanzbärengestik manchmal interessanter ist als die der Tiere. Vor allem aber ist er schwer mit Koordination beschäftigt. Im extrem auseinander gezogenen musikalischen Apparat häufen sich die Wackelkontakte (seltsamerweise nicht in der mit Turbo genommenen, von Minkowski notenwidrig verlängerten Schlussfuge). Der Klang ist zwar trenn- und detailscharf, aber wie entkernt. Echte Attacke verpufft in den Arkaden, mag Minkowski auch noch so sehr Dynamik einfordern. Salzburger Bachchor und Le Musiciens du Louvre, eigentlich zwei Edel-Ensembles der Branche, kämpfen im Abseits. Mezzosopranistin Marianne Crebassa und Tenor Stanislas De Barbeyrac bleiben eher offensiv und opernhaft robust. Von Mozarts Delikatesse, seiner Feinmechanik kündet in diesen 75 Minuten allein die wunderbare Sopranistin Christiane Karg.

Die Pferdedressur ist je nach Umdrehungszahl der Musik mal verhalten, mal energiereich und in erster Linie nur Eines: eine Verdoppelung, eine Illustration. So staunenerregend die muskulösen Tiere mit ihrem präzisen Bewegungsrepertoire sind: Wo der Mehrwert für Mozart bleibt, lässt sich kaum ausmachen. Eine hübsche Revue mit Amadeus-Untermalung, „Apassionata“, hochgejazzt zum Festspielevent, aber noch längst kein theatrales Ereignis.

Denn denkbar wäre das ja schon, eine Beantwortung und Konfrontation der Partitur nicht nur mit Reitern und Pferden, sondern mit weiteren stummen Akteuren. Eine Performance, die Musik und das, was Salzburg eben auch ausmacht, auf sinnliche, poetische, aufreizende Weise verzahnt und nicht nur zwei Parallel-Ereignisse liefert. Marc Minkowski und Bartabas bringen da nicht mehr als eine Idee. Die Pferde bleiben bis auf ein kurzes Schnauben stumm. Dafür schreit die „Aufführung“ – nach einem Regisseur.

Weitere Vorstellungen: 25. und 30. Januar, Telefon 0043/ 662/ 87 31 54.

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