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Amneris triumphiert: Teresa Romano als ägyptische Königstochter und Ferdinand von Bothmer als Feldherr Radames. 

PREMIERENKRITIK

„Aida“ bei den Tiroler Festspielen: Ein bisschen Aufbruch

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Eine Pointe könnte das sein oder ein Zufall: Im Jahr eins nach Gustav Kuhn bietet Erl eine von Frauen dominierte „Aida“.

Erl - Als Fügung, als schöne Koinzidenz ließe sich das deuten. Die Tiroler Festspiele im Jahr eins nach Gustav Kuhn, den  ein  #MeToo-Orkan inklusive Ausbeutungsdebatte vom Thron fegte, nun für eine Produktion (fast) fest in Frauenhand – wer will hier an einen hübschen Zufall glauben? Als da also wären: eine Dirigentin, eine regieführende Bühnenbildnerin, eine Ausstatterin und eine passende Oper, „Aida“ nämlich. Bekanntlich erzählt Verdi von Frauen, auch versklavten, die von verblendeten Kerlen umstellt sind. Gegen deren Ruhm-, Kriegs- und Glaubensgeilheit, so wird vorgeführt, hilft nur ohnmächtiges Wüten – oder der Tod.

Nach Aufarbeitung schmeckt das, erst einmal aber nach Aufbruch. Wenn sich der Vorhang im Erler Festspielhaus teilt, glaubt man wirklich an den Regie-Neuanfang. Eine Guerilla-Gang rüstet sich da zum Kampf, angeleitet von einem religiösen Ultra. Die Frauen taugen nur zum Dienen und, wenn die Männersäfte steigen, für eine schnelle (zwischen zwei Szenenbildern getätigte, also nicht sichtbare) Vergewaltigung. „Nicht ihr Frauen verfügt über euren Leib, sondern der Mann“ wird als Spruch projiziert, man hätte es auch so kapiert.

Regisseurin Daniela Kerck liegt nicht daran, den stückgemäßen Kampf zwischen Ägypten und Äthiopien aufzurollen. Ihre Konfliktlinien verlaufen anders: zwischen den Geschlechtern, zwischen Vernunft und Engstirnigkeit. All dies spielt sich ab in einem hohen, kühlen Einheitsraum, für den es nur karges Interieur gibt und aus dem letztlich keine Flucht möglich ist. Am Ende gehen Radames und Aida zwar eine Treppe hinauf zu lichtdurchfluteten Lamellentüren, entrinnen können sie der Welt jedoch nicht.

Rückfälle in alte Zeiten

Als Setting mit den Kostümen von Andrea Schmidt-Futterer ist das verheißungsvoll. Auch, dass die „Ägypter“ nicht nur Gefangene heimbringen, sondern zusätzlich Beutekunst. Sogar Filmmaterial spielt eine Rolle, das Anführer Ramphis belastet – weshalb er den König killt. Womit man schon bei einer von vielen Ungereimtheiten wäre: Warum eigentlich auf alte Projektoren vertrauen, wenn rechts oben eine moderne Überwachungskamera hängt? Vieles passt also nicht zusammen oder wird nur ansatzweise entwickelt. Und oft gibt es Rückfälle in alte Erler Zeiten, in eine Mixtur aus Rampensingen, Abrufen erprobter Gesten und ortsüblichen, symmetrieverliebten Aufmärschen.

Vokal wird der Abend dominiert von Teresa Romano. Für die Amneris hat sie alles: Ausstrahlung, einen energiereichen Mezzo und die Lust zum Aplomb. Maria Katzarava ist als Aida lyrisch sozialisiert. In der Feinarbeit passt das, ansonsten gibt es auch Intonationstrübungen. Ferdinand von Bothmer bringt für den Radames ebenfalls (zu) wenig Stahl mit, vertraut dafür auf stilistische Kompetenz. Giovanni Battista Parodi passt als klanglich hohlwangiger Ramphis, Andrea Silvestrelli ist der Amonasro eigentlich zu hoch, dafür tönt alles nach wüstengegerbter Dramatik.

Nicht hundertprozentig können sich die Solisten auf die Frau im Graben verlassen. Audrey Saint-Gil ist ein Talent. Doch einiges fehlt ihr noch: auf Sänger zu hören und danach das Dynamiksystem auszurichten, sie überhaupt besser zu führen. Die Französin dirigiert „Aida“ als Spätwerk Verdis. Im großen, süffigen Aufriss, eher an kantablen Entwicklungen orientiert, das warme Timbre des Festspielorchesters tut dazu sein Übriges. Doch vieles klingt nicht so dramatisch, wie es bei Audrey Saint-Gil aussieht, die gern für die Galerie agiert. Die Fallhöhen der Partitur entgehen ihr dann. In den Jubel mischten sich prompt Buhs. Vielleicht waren es auch versprengte Kuhn-Jünger.

Weitere Aufführungen
am 12. und 19. Juli; die Festspiele dauern bis 28. Juli; www.tiroler-festspiele.at; Tel.: 0043/5373/810 00 20.

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