Premieren-Gespräch: Zusammenwirken wie Zahnradl

München - Das Münchner Volkstheater geht die Welt der Trolle erforschen: Am kommenden Dienstag hat Henrik Ibsens "Peer Gynt" mit Maximilian Brückner in der Titelrolle Premiere.

Maximilian Brückner wirkt ehrlich erstaunt: "So lang ist das her?" Vor drei Jahren erarbeitete er am Münchner Volkstheater den Boandlkramer, den er mit Schalk und Schusseligkeit so neckisch wie rührend in "Brandner Kaspar und das ewig' Leben" spielt. Kein Wunder, dass die Zeit für den 29-Jährigen so schnell vorbei ging, es ist ja auch eine Menge passiert mit dem Schauspieler: Nach dem Theaterpreis dieser Zeitung regnete es weitere Auszeichnungen, vom "German Shooting Star" bis zum Bayerischen Kunstförderpreis.

Brückner erhielt eine Filmrolle nach der anderen ­ aktuell ist er in Doris Dörries "Kirschblüten ­ Hanami" zu sehen ­ und wurde außerdem Saarbrücker "Tatort"-Kommissar. Endlich ist er wieder in München in einer Neuproduktion zu sehen: Er spielt die Titelrolle in Ibsens "Peer Gynt". Christian Stückl inszeniert das dramatische Gedicht, das am Dienstag Premiere hat, wieder mit den Jungen Riederinger Musikanten, die nicht Edvard Griegs Musik spielen werden, sondern ein eigenes Potpurri.

Ist das für Brückner eine Rückkehr ans Theater, will er vielleicht wieder mehr auf der Bühne stehen? "Ich war doch immer hier", sagt er. "Filme drehen, ein ,Tatort im Jahr und dann die zwei Stücke hier am Volkstheater mit meinen zwei Brüdern und meinen besten Freunden: Damit bin ich wunschlos glücklich. Und die Arbeit beim Film ist gar nicht so viel anders." Als Brückner dann aber von den Proben zum "Peer Gynt" erzählt ­ von der Zusammenarbeit mit Stückl, dem gemeinsamen Humor, dem Zusammenwirken wie "Zahnradl", dass es manchmal keiner Worte bedarf oder so urkomisch ist, dass sich beide kaputtlachen ­, als Brückner seine Begeisterung schildert, da rutscht es doch heraus: "Ich merke jetzt, wie mir das abgegangen ist, es macht einen unglaublichen Spaß." Nie, meint er, könne er nur der Erfüllungsgehilfe für einen Regisseur oder ein Konzeptheater sein; Stückl lasse ihn, bei aller kritischen Anleitung, immer erst einmal machen. Und das gefällt ihm.

Fast wäre ja aus dem blonden Schauspieler diesmal ein Siegfried in einer geplanten "Nibelungen"-Inszenierung geworden. Aber dann ist man in der künstlerischen Leitung des Hauses doch vom Rhein durchs Bücherregal hinauf nach Skandinavien gewandert. "Es ist gar nicht so leicht, für unsere Besetzung mit den Riederingern einen geeigneten Stoff zu finden", sagt Brückner. Und aus der bayerischen Ecke wollte man diesmal, nachdem vor drei Jahren die Weill-Erben die "Dreigroschenoper" als Blasmusikversion verhindert hatten, endgültig heraus. Brückner findet den Ibsen Stoff toll: "Das Stück ist verspielt wie ein Märchen. Am Ende wird es ganz unkonkret. Da muss man den schwierigen Text auf eine einfache Ebene herunterholen."

Der norwegische Bauernbub, ein abenteuerlustiger Tunichtgut, unverbesserlicher Fantast und Schummler: Die Braut eines anderen entführt er, um sie sitzen zu lassen. Die arme Mutter verlässt er, um sie später liebevoll in den Tod zu wiegen. Durch die Welt jagt er, um Kaiser zu werden und sein Reich schließlich daheim bei der geliebten Solvejg zu finden. Gibt's Gemeinsamkeiten zwischen Peer und Maxi? "Den nordischen Typ kriege ich schon hin", lacht er. "Und Gemeinsamkeiten gibt's immer. Aber ich versuche, nur an die Figuren zu denken beim Spielen." Ein Unterschied zu Peer ist jedoch deutlich: Wenn Brückner so durch die Welt jagt, von Dreh zu Dreh, dann weiß er trotzdem genau, wo er hingehört: nach Riedering, in seine Großfamilie mit den sieben Geschwistern, die ihm ­ bei allen Verlockungen und Gefahren des Erfolgs ­ bewusst sein "Netz mit doppeltem Boden" ist. "Ob einer gerade auf dem Dach gearbeitet hat oder vor der Kamera, ist doch egal", sagt Brückner.

Riedering mit seinen urigen Ortsteilen rings um den Simssee ist sein Refugium: "So wie andere Schutz suchen in der Anonymität der Großstadt, so tauche ich hier unter. Da geht mir die Welt am Allerwertesten vorbei." Vielleicht war er deshalb so überrascht, dass sich die Medien auf ihn stürzten, als er kürzlich für die CSU in den Gemeinderat gewählt wurde. Es spricht für ihn, dass er das nicht an die große Glocke hängen mag: Er sieht es als seine Privatsache an, sich dort, wo er sich wohlfühlt, zu engagieren. "Ich denke halt manchmal noch als Maxi Brückner, nicht als Schauspieler", entschuldigt er sich. Aber Stückl hat ihm bereits gesagt, dass er das weiterhin tun soll: Sonst werde er ein komischer Mensch. Und das wäre schade für ein Talent, das sich bisher nicht verbiegen ließ.

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