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Rückkehr der Monarchie für die Dauer eines Musicals: Annemieke van Dam als Sissi.

München feiert „seine“ Kaiserin im Deutschen Theater

Premieren-Kritik: Trampeln für Sissi

München - Wenn man den Umfragen des Deutschen Theaters glauben darf, wünschen wir uns in Bayern nichts sehnlicher zurück als die guten alten Zeiten der Monarchie. Na ja, wenigstens auf der Bühne.

Denn nach kaum einem Stück wurde dort in den letzten Jahren so oft und so hartnäckig verlangt wie nach „Elisabeth“ von Michael Kunze und Sylvester Levay. Dem bis heute erfolgreichsten deutschsprachigen Musical aller Zeiten, das von Finnland bis Japan bereits Millionen von Menschen begeistert hat.

Kaiserin Elisabeth: Bilder des Mythos Sissi

Kaiserin Elisabeth: Bilder des Mythos Sissi

Nach Umwegen über Essen, Stuttgart und Berlin ist die österreichische Kaiserin aus Bayern nun endlich auch an ihrem Geburtsort angekommen. Oder besser gesagt ein paar Kilometer nördlich davon in Fröttmaning, wo sie im Ausweichquartier des Deutschen Theaters ab sofort achtmal die Woche lieben und leiden wird. Wer die originale Wiener Produktion gesehen hat, könnte hier womöglich einiges an Bühnenzauber vermissen. Doch die punktgenaue und gänzlich kitschunverdächtige Inszenierung von Harry Kupfer funktioniert ebenfalls in der technisch abgespeckten Tourversion ausgezeichnet. Immerhin hat der Regie-Altmeister hierfür noch einmal höchstpersönlich Hand angelegt und seine Sissi gemeinsam mit Choreograph Dennis Callahan und Ausstatter Hans Schavernoch reisefertig gemacht.

Ein weiterer Glücksfall der Produktion ist Annemieke van Dam. Mit der Holländerin hat man nämlich eine persönlichkeitsstarke Hauptdarstellerin gefunden, die allein schon den Eintritt wert ist. Mit schlanker Stimme meistert sie nicht nur den Hit der Show, „Ich gehör’ nur mir“, sondern beweist vor allem schauspielerische Wandlungsfähigkeit und reift im Lauf des Abends vom optimistischen Mädchen zur resignierten, den Tod herbeisehnenden Frau. Den schmucken Sensenmann, der bei Kunze und Levay zum heimlichen Liebhaber Elisabeths wird, verkörpert Oliver Arno, der aber noch etwas in die Rolle hineinwachsen muss. Schaut er doch eher nach Ein-Mann-Boygroup aus als nach dem androgynen Rockstar, der in Wien auf der Bühne präsentiert wurde. Gesanglich schlägt er sich wacker, aber verführerisch oder gar bedrohlich wirkt dieser nette Junge von nebenan nur bedingt.

Das wiederum ist für Bruno Grassini kein Problem, der als Attentäter Lucheni mit bissigen Kommentaren das Geschehen begleitet und dem Publikum immer dann den Kopf zurechtrückt, wenn sich vielleicht doch mal ein wenig Sehnsucht nach Romy Schneiders heiler Welt einstellen will.

Von den wichtigen Männern in Elisabeths Leben ist der gute Franz Joseph da im Vergleich nur wenig mehr als ein Stichwortgeber, der jedoch von Markus Pol mit nobler Würde ausgestattet wird. Neben ihm gibt Christa Wettstein ein hassenswertes Schwiegermonster, und Susanna Panzner darf sowohl als Elisabeths gluckenhafte Mama wie auch als ordinäre Puffmutter Frau Wolf alle Register ziehen. Bleibt Thomas Hohler als Kronprinz Rudolf, der, von seiner Familie im Stich gelassen, in den Selbstmord getrieben wird. Jedoch nicht ohne vorher noch einmal mit seinem Solo „Wenn ich dein Spiegel wär’“ die Herzen zu erweichen.

Und was ist mit dem Publikum selbst, das sich so lange eine Kaiserin gewünscht hat? Es leistet sich am Ende einen groben Verstoß gegen das höfische Protokoll. Denn statt einem ehrfürchtigen Knicks wird da im Saal minutenlang stehend applaudiert, getrampelt und gepfiffen. Aber schließlich muss auch die Monarchie mit der Zeit gehen. Da kann man im 21. Jahrhundert schon mal ein Auge zudrücken.

Bis 12. Dezember, Telefon 089/ 55 23 44 44.

von Tobias Hell

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