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Robin Sondermann (li.) beim Wasser-Dreh: Der Schauspieler taucht in Aufkirchen mit Helfern für ein Theater-Video. Der Unterwasser-Film wird später aufs „Volksfeind“-Bühnenbild projiziert.

Premieren-Vorschau: Für Ibsen baden gehen

München - Am Münchner Volkstheater hat am 25. November Ibsens Stück „Ein Volksfeind" Premiere. Es geht um Wasserverschmutzung und darum, wie die Menschen mit diesem Problem umgehen. Die Proben laufen - und Regisseurin Bettina Bruinier jagt Schauspieler ins Wasser.

Er steht im tropfnassen schwarzen Baumwollanzug am Beckenrand, die Seidenkrawatte klebt am blauen Hemd. Die Socken in den Lackschuhen hat er längst ausgezogen, die Drei-Kilo-Fußgewichte nicht. „Und bitte“, tönt eine Stimme. Robin Sondermann holt Luft, taucht ab und findet die Plexiglasscheibe nicht, gegen die er laut Volkstheater-Regisseurin Bettina Bruinier klopfen soll. Also erscheint er keuchend und prustend wieder über Wasser. „Mist“, sagt die Regisseurin. „Das war viel zu kurz.“

Sechs Tauchgänge waren nötig, um die Szene an der Glasscheibe zu drehen.

Der 27-jährige Schauspieler soll eine rund dreiminütige Szene für „Ein Volksfeind“ von Henrik Ibsen spielen: Unter Wasser die Plexiglasscheibe entdecken, dagegen klopfen, feststellen, dass es dort nicht weitergeht, und wieder auftauchen. Doch er kann weder die Scheibe erkennen, noch reicht seine Luft aus. Trotz regelmäßigen Fußballspielens und FC-St.- Pauli-Anfeuerns. „Na ja, ich bin leider auch krank“, sagt Sondermann. Also muss er nochmal ins warme Beckenwasser. Vorgesehen ist diese Szene für den dritten Akt. Nachdem Kurarzt Dr. Stockmann (Friedrich Mücke) gesundheitsgefährdende Verunreinigungen im Kurbad-Wasser entdeckt hat, will er Unheil abwenden. Andere wollen das wegen der Kosten verhindern. Die inneren Zustände der Figuren und der Kampf, der durch die Entdeckung entsteht, sind Themen der jetzt gefilmten Unterwasserreise nach Utopia, also zu einem Ziel, das sich jede Figur auf der Bühne definiert.

Die kurze Handlung der Szene: Zwei Figuren schwimmen zu einem gut gehüteten Schatz unter Wasser, zur bestmöglichen Zukunft. Auf diesem Weg erscheinen ihnen dann seitlich die anderen Figuren. „Es gibt eine Doppelung der Personnage unter Wasser mit surrealen, traumhaften Bildern“, erklärt Bruinier. Sondermann spielt Peter Stockmann, den Bruder des Entdeckers. Und dafür geht er nun zum zweiten Mal baden. Die zwei Helfer-Taucher zeigen ihm noch einmal, wo die Plexiglasscheibe ist. Nach einem „Bereit“ der Regisseurin taucht er mit einem Hechtsprung wieder ab. Diesmal geht es besser, er sieht die Scheibe, den Kameramann. „Aber es war immer noch zu kurz und viel zu hektisch“, sagt Bruinier anschließend.

Sie kommuniziert mit dem Kameramann über Unterwasser-Lautsprecher, kann alles von einem DIN-A-5-Bildschirm im Trockenen beobachten. Die fertigen Filmchen der insgesamt acht Schauspieler werden am Ende auf einer großen und mehreren kleinen Flächen auf der Bühne projiziert. Letztere besteht zum Teil aus Lochpappe, wie man sie aus dem Tonstudio kennt. Diese ist mit Operafolie hinterspannt, auf der die Szenen fensterartig eingeblendet werden. „Am Ende kann sich die Bühne zeitweise auch als Unterwasser-Bühne präsentieren“, sagt Bruinier.

Mittlerweile muss Sondermann zum sechsten Mal in eines der Becken der ehemaligen Sauerkrautfabrik in Aufkirchen (Kreis Erding) abtauchen. Er hat die Fußgewichte abgelegt, die zwei Taucher ziehen ihn stattdessen an den Füßen nach unten. Doch er hört und sieht noch immer nichts. Also muss er spielen, auftauchen, Regie-Anweisungen anhören, und wieder abtauchen. Insgesamt zehnmal wird er das machen. Dann ist er fertig. In zwei Stunden muss er auf der Bühne des Volkstheaters wieder ran: Eine Abendvorstellung steht an.

Angelika Mayr

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