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Hervorragende, stilsichere Sänger: Theresa Holzhauser (Didone) und Flavio Ferri-Benedetti (Enea).

Premierenkritik: Ein bisschen Liebe

München - Zu viel Aktion, dafür ein musikalischer Erfolg: Hier die Kritik zur Münchner Erstaufführung von Hasses „Didone“ im Prinzregententheater.

Eigentlich ist alles von Anfang an klar: Aeneas will seine Geliebte Dido, die Königin Karthagos, verlassen. Er fühlt sich verpflichtet, in Italien ein neues Troja zu gründen. Als er in See sticht, stirbt Dido vor Gram. Das ist alles, was drei Stunden lang in Johann Adolph Hasses Oper „Didone abbandonata“ aus dem Jahre 1742 verhandelt wird. Gut, ein bisschen Liebe, Eifersucht und Verrat packte Librettist Pietro Metastasio schon noch drum herum - dem Drama hilft das aber nicht auf die Beine.

Bayerische Theaterakademie und Münchner Musikhochschule ließen sich allerdings von der Handlungsarmut nicht schrecken. Sie setzten auf die Kraft der Musik und fuhren mit der Münchner Erstaufführung des Stücks im Prinzregententheater einen satten, musikalischen Erfolg ein. Das Publikum feierte die jungen Sänger ebenso wie die Hofkapelle München und Dirigent Michael Hofstetter.

Buhs prasselten hingegen aufs Regieteam um Balázs Kovalik hernieder. Er hatte die undankbare Aufgabe übernommen, das Handlungs-Nichts zu füllen. Das gelang nur momentweise und ausgerechnet dann, wenn alles stillstand und nur das Licht mitspielte. Dann zauberten die Sänger in wunderbarem Einklang mit den Musikern Stimmungen, die das Herz rührten. Allen voran der Barbar mit der Engelsstimme: Iarba, der afrikanische König, der Didone samt Karthago erobern will. Dazu führte Valer Barna-Sabadus seinen verführerischen, zarten Countertenor ins Feld. Ob aufgebracht und umschäumt vom Orchester oder sanft schmeichelnd - jeder Hörer erlag diesem als Motorrad-Rocker daherkommenden Vergewaltiger schließlich doch. Sein Kontrahent Enea gewann durch Flavio Ferri-Benedettis „heldischere“ Counter-Töne auch stimmlich ganz eigenes Profil. Theresa Holzhauser spannte mit ausdrucksstarkem, sensibel moduliertem Mezzo den großen Bogen für die in seelischen Wechselbädern zerrissene stolze Königin Didone. Als ihre unglückliche Schwester Selene ließ Magdalena Hinterdobler mit innigen Soprantönen niemanden kalt. Auch Maria Celeng, die mit der Flöte um die Wette das Vöglein zwitschern ließ, heimste als sogar kopfüber singende Rocker-Braut Araspe Sympathien ein. Den Verräter Osmida steckte Kostümbildnerin Angelika Höckner ins Stricher-Outfit. Und wie zum Trotz stattet Andreas Burkhart ihn mit klangschönem Bariton aus.

Dass all die jungen Sänger sich in Hasses spätbarocker Klangsprache so stilsicher und koloraturgewandt bewegten, spricht für ihre Lehrer (Gabriele Fuchs, Frieder Lang, Andreas Schmidt), für Joachim Tschiedel (Studienleitung), Maria Fitzgerald (Einstudierung) und für Michael Hofstetter. Er lenkte sie ebenso präzise wie temperamentvoll durchs Geschehen und entlockte der Hofkapelle einen warmen Klang mit effektvollen Akzenten und innigsten Lauten-Pianissimi.

Balázs Kovalik bemühte viel szenischen Aktionismus (permanent Kisten oder Sandsäcke schleppende Bühnenarbeiter, erotisches Hintergrund-Video), weniger geistreiche Inspiration, um die Oper zu retten. Csaba Antal müllte die Bühne zu und ließ Didones „Luftschloss“ (riesige Klarsicht-Luftpolster) immer mehr in sich zusammensinken. Keine schlechte Idee, aber hässlich umgesetzt.

Gabriele Luster

Nächste Vorstellungen: 24., 26., 30. Mai und 1. Juni; Telefon: 089/ 2185-2899.

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