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Wie einst König Lear dankt in Dennis Kellys Stück „Die Götter weinen“ Colm (Manfred Zapatka), Chef eines global agierenden Unternehmens, ab und verteilt Macht und Einfluss an die Nachfolger. Mit brutalen Folgen.

Premierenkritik: „Die Götter weinen“

München: Am Residenztheater kann Dusan David Parízeks Inszenierung von „Die Götter weinen“ die Globalisierung nicht fassen. Lesen Sie hier die Premierenkritik:

Langsam werden die Leute nervös. Die ersten Abende der Intendanz von Martin Kusej am Bayerischen Staatsschauspiel wurden, wenn auch nicht überschwänglich, so doch abwartend höflich aufgenommen. Beim neuesten Vorstoß im Münchner Residenztheater wurde nach zweieinhalb quälend blutigen, lärmenden, aber zähen Stunden nun doch lautstark gebuht.

Für die deutsche Erstaufführung des Stückes „Die Götter weinen“ des andernorts viel gespielten englischen Autors Dennis Kelly hatte Kusej den tschechischen Regisseur und Bühnenbildner Dusan David Parízek ausgesucht, der es jedoch nicht vermochte, Theaterfleisch an das zweifellos wichtige, aber nicht zur Bühne drängende Thema um die Unmenschlichkeiten der Globalisierung zu bringen. Kelly stürzt sich in seinem Theaterstück auf einen Stoff, der wohl besser in Leitartikeln („Machbarkeitsstudie“, „Fördermittel“) aufgehoben wäre.

Immerhin verschneidet er das Thema Globalisierung mit Shakespeares „König Lear“: Auch hier dankt ein einflussreicher Vater – durch skrupelloses Handeln Herr über Wasser und Nahrungsmittel der Welt – ab und verteilt sein Erbe an die junge Generation. Das geht nicht gut. „Ich habe euch zu Bestien geformt“, sagt er über seine Erben, die sich sofort zerfleischen, mit der Waffe aufeinander losgehen. Am Ende steht Krieg: „Sind wir alle Sklaven des Wahnsinns geworden?“

Dusan David Parízek lässt fast das ganze Stück, für das der Autor viele verschiedene Schauplätze vorsieht, in einem gesichtslosen Einheitsraum spielen, was nicht zur Klarheit der Handlung beiträgt. Es ist erstaunlich, wie undramatisch Liter von Blut, unaufhörlicher Zank und Streit bis zu Mord und Totschlag wirken können, wenn das Stück über diese Zweidimensionalität nicht hinauskommt.

Aber Shakespeare hilft denn doch: Eine Szene im Wald mit dem wahnsinnigen Colm und der jungen Barbara (eine „Lear und Cordelia“-Version) bringt eine Atempause, in der endlich Interesse an den Figuren aufkommt. Das liegt allerdings auch an der frischen, unsentimentalen Katharina Schmidt und dem hervorragenden Manfred Zapatka. Den Bogen vom Konzernherrn, der über Leichen geht, zum nachdenklich kreatürlichen Menschen legt er überzeugend hin.

Ihnen und allen anderen, von Guntram Brattia, Johannes Zirner, Carolin Conrad bis Sophie von Kessel hätte man allerdings lohnendere Aufgaben für ihren (Wieder)- Einstieg in München gewünscht.

Beate Kayser

Nächste Vorstellungen am 22. und 23. Oktober;

Telefon 089/ 21 85 19 40.

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