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Ein großes Kind, das spielen will – und sei es im Wettstreit mit einem anderen: Das ist Jay Gatsby (Max Wagner, re., hier mit Jakob Geßner als Nick) im Volkstheater.

Das Kind im Manne

Premierenkritik: Der große Gatsby

München - Abdullah Kenan Karaca inszenierte auf der Kleinen Bühne des Münchner Volkstheaters „Der große Gatsby“ nach F. Scott Fitzgeralds Roman. Eine Premierenkritik:

Von übergroßer Pracht schreibt der Autor, wie lustvoll wird sie in den Filmen in Szene gesetzt. Wie karg dagegen ist die Kleine Bühne des Volkstheaters, wo am Dienstag die Theaterfassung des Romans „Der große Gatsby“ nach F. Scott Fitzgerald (1896-1940) Premiere hatte. Bilder lassen sich für diese 1925 erschienene Geschichte nur schwer finden. Dennoch wurde sie mehrfach für Kino und Fernsehen adaptiert, am bekanntesten ist die Fassung von 1974 mit Robert Redford und Mia Farrow. Der jüngste „Gatsby“-Film stammt vom Frühsommer, als Baz Luhrmann seine Interpretation von Fitzgeralds wortverspieltem Sittengemälde, das das New York der Roaring Twenties in seiner Pracht und seiner sozialen Kälte zeigt, mit Leonardo DiCaprio in der Titelrolle in die Kinos brachte.

Natürlich ist sich Abdullah Kenan Karaca all dessen bewusst – und versucht daher erst gar nicht, mit Bildern zu überwältigen. Vielmehr reduziert er seine Inszenierung klug auf die Schauspieler und verzichtet zudem auf die Rolle des Erzählers: In diesen knapp neunzig Minuten wird die Geschichte ausschließlich in Dialogen verhandelt. Damit dies funktioniert, haben der Regisseur und seine Dramaturgin Katja Friedrich den Roman verknappt. Hier interessiert lediglich das Beziehungsgeflecht zwischen Jay Gatsby, dessen großer, aber längst verflossener Liebe Daisy, deren Ehemann Tom, der gemeinsamen Freundin Jordan und Nick, Gatsbys Nachbar.

So sehen wir auf dem Bühnenpodest, das beidseitig von Zuschauern begrenzt wird, die skelettierte Handlung des Romans. Das bringt zwar Dynamik in den unterhaltsamen Abend, aber auch heftige Zeit- und Ortswechsel, die Karaca so abrupt und bewusst inszeniert, wie sie eben sind.

Aufgewertet hat er die Rolle von Jordan – eine wirklich gute Entscheidung, denn Lenja Schultze gibt dieser Frau zahlreiche Facetten. Max Wagner zeigt die Titelfigur als Menschen, der sich in eine romantische Illusion verrannt hat. Gatsbys tragische, abgründige, geheimnisvolle Seite fehlt: Bei Wagner ist dieser Emporkömmling ein großes Kind, das spielen will – und schmerzhaft lernen muss, dass nicht immer alles nach seinem Kopf geht. Jakob Geßner als Nick und Constanze Wächter, die Daisy spielt, sind beide seit dieser Spielzeit neu im Ensemble: Von ihnen wird man hoffentlich bald mehr sehen dürfen. Wie immer souverän: Pascal Fligg, der dankenswerterweise Tom nicht nur als tumben, fremdgehenden Ex-Sportler porträtiert.

Nächste Vorstellungen am 18., 28. und 29. Oktober; Telefon 089/ 523 46 55.

Von Michael Schleicher

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