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Gelungenste Szene: Bedrohte Bergarbeiter und das Findelkind Remi (Giulia Goldammer, unten).

Premierenkritik: „Junges Theater am Gärtnerplatz“ zeigt „Heimatlos“

München - Was macht man, wenn man im Gärtnerplatztheater sitzt, das bis zum letzten Stehplatz gefüllt ist mit Eltern, Onkeln, Tanten, Geschwistern und Schulkameraden der Dutzende zählenden Mitspieler des „Jungen Theaters am Gärtnerplatz“?

Wenn unter Liviu Petcu junge Musiker des Pestalozzi-Gymnasiums spielen – und dann noch eine Band von „Pestalozzis“ und Schülern der städtischen Musikschule München? Ja, was macht man da, wenn das doch alles so schön und begrüßenswert ist und außerdem die letzte Premiere vor dem Umbau? Sich einfach tragen lassen von der allgemeinen Wohlwollens-Welle, keine weiteren Gedanken zulassen, die pädagogische Arbeit herausstellen und die Tatsache, dass hier für die Jugend richtig Geld (Bühnenbild!) ausgegeben wurde?

Das wäre zu kurz gesprungen. Denn bei all der hervorragenden Theaterarbeit, die Holger Seitz seit fünf Jahren mit den Jugendlichen (und auch einer Seniorengruppe) macht – nun zum letzten Mal –, kommt man um die Feststellung nicht herum, dass das norwegische Musical „Heimatlos“ nach dem Roman „Sans famille“ von Hector Malot ein epigonales, langatmiges Stück ist. Mit seinen fast drei Stunden strapaziert es die Geduld über Gebühr. Die Musik von Gisle Kverndokk lehnt sich an alles an, was schon in den bekannten Musicals so oft der Pferdefuß ist: die Aussichtslosigkeit, auch nur einen halbwegs wahren, nicht von Sentimentalität durchfeuchteten Gefühlston zu treffen. Wenn da jemand seine Hände besingt, süßlich einen Engel beschwört – schlimm, sich vorzustellen, dass die Schüler monatelang mit diesen unechten Klängen konfrontiert waren –, das muss ja Folgen haben für den Geschmack.

Bei schnellen Nummern geht’s besser. Eine Szene ist richtig gelungen: die mit den vom Wasser überfallenen Bergarbeitern. Das ist sowohl musikalisch mit der wilden Band als auch szenisch mit einem tollen Bild von Herbert Buckmiller gut gelöst. Man spürt, wie viel Spaß das den jungen Leuten (auch im Publikum) macht. Die Geschichte selber frühstückt ein bisschen beim „Kleinen Lord“ und bei „Oliver Twist“ herum. Ein englischer Lord will seinen Neffen umbringen lassen, um an das Erbe seines verstorbenen Bruders heranzukommen. Der Junge überlebt, zuerst im Moseskörbchen, dann in vielen Stationen bei verschiedenen „Eltern“. Alles wird gut, doch das dauert.

Ganz fabelhaft aber, dass renommierte Gärtnerplatzsänger und Musiker zusammen mit den Jungen spielen. Wo ist der Laie, wo der Profi – das ist manchmal kaum zu entscheiden. Seitz hat nichts durchgehen lassen: Die Tanz- und Chorszenen klappen wie am Schnürchen. Die ganze Aufführung rund um das Findelkind Remi (Giulia Goldammer) kommt über Laientheater weit hinaus, und der Hund Brio (Christoph Vandory) kann fabelhaft bellen.

Beate Kayser

Nächste Vorstellungen am 23., 27. 3.; Karten (fast aussichtslos): 089/21 85 19 60.

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