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Zwischen Dada-Jux, Parodie und Dilettantismus: Szene mit (v. li.) Lenja Schultze, Jakob Geßner, Jean-Luc Bubert, Mara Widmann und Max Wagner.

Auf der Kleinen Bühne

Premierenkritik: "Ludwig II." im Volkstheater

München - Immerhin gab’s Eis für alle: Der Liederabend „Ludwig II.“ auf der Kleinen Bühne des Münchner Volkstheaters.

Ja pfundig, der „Kini“ is’ mim Radl da! Auf einem Klapprad rollt er daher, das mit weißblauen Rauten bemalt ist. Ansonsten räkelt sich Ludwig II. meist auf seinem verschiebbaren Thron, dem auch noch die Armlehne abbricht – auf die sich nämlich seine übergewichtige Braut Sophie draufgesetzt hat: Lenja Schultze ist der Lichtblick des Abends, wenn sie ein durchtriebenes Hascherl gibt, ein treuherziges Kugel-Monsterchen mit Turmfrisur, das ständig Pralinen futtert oder Sahnetorten mit bloßen Händen in den Mund schiebt. Aus Frust natürlich, weil Ludwig ihr einen Stallburschen mit Stöckelschuhen (Jakob Geßner als Tunten-Karikatur) vorzieht, der einen rosa Wischmob an der Leine spazieren führt.

Ach ja, und dann ist da noch Sisi, oh mei! Mara Widmann, der zweite Lichtblick, bürstet die Kitschfigur schön gegen den Strich, auch wenn sie eine blaue, pardon: königsblaue Robe trägt – und einen Kranz aus Lämpchen im Haar. Dennoch hat sie die Hosen an und ermahnt ihren Cousin Ludwig zwo: „Denk mal an das Problem mit der Deutschen Bahn. Wenn wir jetzt nicht in den Krieg ziehen, kommen wir nie rechtzeitig an.“

Ein richtiger Königsschmarrn

Eigentlich war ja „Moby Dick“ geplant am Münchner Volkstheater. Aber der fiel aufgrund höherer Gewalt ins Wasser. Darum wurde als Ersatz ein anderes Schwergewicht aufgefahren, die bayerische Allzweckwaffe: „Ludwig II.“ heißt der Liederabend auf der Kleinen Bühne, der vielleicht eine Musical-Parodie ist. Zumindest aber ein richtiger Königsschmarrn, denn es muss nicht immer Kaiserschmarrn sein. Und wie sich’s für einen Heimatabend gehört, gibt’s – dank Michael Gumpinger am Keyboard – a zünftige Musi: „Heart Of Glass“ von Blondie etwa, das Mara Widmann mit großer Inbrunst anstimmt. Oder Elvis Presleys „I Am So Lonesome“, bei dem sich Jean-Luc Bubert als Ludwig-II.-Darsteller auch mal für eine halbe Minute engagiert, wenn er plötzlich in ein Tom-Waits-Krächzen verfällt. Aber warum nur so kurz? Und warum imitiert er an anderer Stelle Helge Schneider auch nur für einen Moment, statt diese herrlich komische Doppel-Verfremdung auszuspielen? Genau das wär’s doch gewesen! Wollte Bubert einfach mit seinen Kräften haushalten, oder haben ihm die Regie-Elevinnen Lea Ralfs und Charlotte Oeken nicht erlaubt, seinem Ludwig mehr bizarre Kontur zu geben?

Albernheit im Theater ist nämlich ganz wunderbar, aber sie funktioniert nur, wenn sie streng künstlich durchgezogen wird. Insofern wär’s übertrieben zu behaupten, dass man sich an diesem Abend königlich amüsiert habe. Aber ob das Ganze nun in die Rubrik Dada-Jux oder Dilettantismus fällt, ist letztlich egal, denn immerhin gab’s während der Vorstellung Eis für die Zuschauer. Und das war bei diesen Temperaturen doch die Hauptsache.

Weitere Aufführungen

am 12., 26. und 29. Juni sowie am 15. Juli;

Telefon 089/ 523 46 55.

Von Alexander Altmann

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