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Rückzug auf die Alm: Kabarettistin Luise Kinseher träumt in ihrem neuen Programm „Einfach reich“ von einem Leben ohne Luxus.

Premierenkritik: Luise Kinsehers neues Programm „Einfach reich“

München - Macht Geld glücklich? Und wenn ja - ab welcher Summe? Luise Kinseher ist zu dem Schluss gekommen, dass es ihr ganz ohne Kohle am besten geht.

Und beschließt, in Zukunft auf der Alm zu leben, so wie Heidi (ja, genau die!), die, inzwischen natürlich uralt, nun ihre neue Nachbarin werden soll. „Einfach reich“ heißt Kinsehers neues Programm, das am Dienstag in der ausverkauften Münchner Lach- und Schießgesellschaft Premiere hatte. Und der doppelte Sinn dieses Titels („Einfach reich“ beziehungsweise „Einfach reich“) umreißt das Terrain, auf dem sich dieser Abend abspielen soll.

Am Anfang gibt’s auf der Bühne nur die Kinseherin im dezenten schwarzen Hosenanzug, die mit (Eintritts-)Geldscheinen wedelt, die sie dem Publikum zurückgeben will („Dann hab’ ich keinen Druck mehr und Sie keine Ansprüche!“). Und weil die Umkehr radikal ist, soll ferner der neue Porsche verhökert werden. Eine Kuh tut’s schließlich auch. Eine schöne, originelle Reflexion über den (Un-)Sinn des Strebens nach Materiellem, über Askese auf hohem (finanziellen) Niveau will da in Gang kommen, doch die Kabarettistin bleibt - leider - nicht lang allein.

Zu ihr gesellen sich nach und nach vier weitere Figuren, die man aus anderen Programmen bereits kennt, identifizierbar durch (Körper-)Sprache und Requisiten wie Brille und Sommermantel. Frau Rösch, Frau Lachner, Frau Frese und Millionärin Mary aus Bavari(a) - sie stehen für die unterschiedlichen Verhältnisse zum Geld, zwischen „Dagobert-Duck-Syndrom“ und purer Lust am Prassen.

Das ist schön gedacht, doch die Rechnung geht und geht nicht auf. Die fliegenden Wechsel machen die Geschichte klein, weil die 41-Jährige - nebenbei Aspirantin auf den Posten des Bruders Barnabas auf dem Münchner Nockherberg - ihre diversen Alter egos mit viel zu kräftigen Klischees ausstattet, damit man sie auch voneinander unterscheiden kann. Ob knappe Kasse, orgiastischer Kaufrausch oder die Einsamkeit des Menschen, der sich alles leisten kann - in diesem über weite Strecken ernüchternd konventionellen Typenkabarett stürzen die Pointen ab wie die Kurse am schwarzen Freitag. Viel zu selten gibt’s Momente, in denen man lachend ins Grübeln kommt über die Sklaverei, die der Mammon über das Individuum zu bringen vermag.

Zu allem Überfluss mutet sich Kinseher, deren schauspielerisches Talent eigentlich eine Bank ist, am Ende einen waghalsigen Showdown zu, der das rissige Programmgebäude um ihre fünf Charaktere an den Rand des Einsturzes bringt (Regie: Beatrix Doderer). Da hat jemand mit hochriskanten Papieren spekuliert - und fast alles verloren.

Rudolf Ogiermann

Weitere Vorstellungen: Bis 30. Oktober, außer Sonntag und Montag, um 20 Uhr. Karten unter Telefon 089/39 19 97.

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