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Das seltsame Paar Leonard Lansink und Heinrich Schafmeister (re.) als Oscar und Felix mit den Damen aus der Nachbarschaft alias Mirjam Radovic und Amor Schumacher (re.).

Premierenkritik von "Oscar und Felix"

Von Pointe zu Pointe

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München - Katja Wolff inszenierte Neil Simons „Oscar und Felix“ für die Münchner Komödie im Bayerischen Hof. Eine Premierenkritik.

Was für ein Wunder an Mehrfachverwertung: Neil Simons Theaterstück „The Odd Couple“ von 1965. In Gene Saks Verfilmung (Drehbuch: Simon) kam „Das seltsame Paar“ 1968 auf die Leinwand mit den Star-Komikern Walter Matthau und Jack Lemmon. Von 1970 bis 1975 lief in fünf Staffeln die US-Fernsehserie. Wurde unter dem Titel „Männerwirtschaft“ auch hierzulande Kult. 1998 schrieb Simon dem Brio-Duo Matthau & Lemmon die Film-Fortsetzung „The Odd Couple II“ auf den Leib. Und 2002 aktualisierte er seinen frühen Broadway-Hit, der im Grunde, auch dies ein Wunder, lediglich ausmalt, wie sich in einer Not-WG ein Obermessie und ein Ordnungstyrann nervtötend auf die Jacke gehen.

Genau mit dieser, von Michael Walter sehr gut übersetzten Fassung sind Leonard Lansink und Heinrich Schafmeister, beide bekannte Gesichter in Film und Fernsehen, als „Oscar und Felix“ soeben in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof angekommen. Und so tempo-tempo, so witzig, wie das Stück gleich zu Beginn anzieht, so hätte man es gerne immer bei Komödien. In der wilden Poker-Runde, die sich in Oscars zugemülltem Hochhaus-Appartement (Jan Freese) einfindet, ist zwar nur Marcus Borns Polizist Murray mit Revolver-Gürtel ausgestattet. Aber  auch  Dietmar Pröll und Joachim Kwasny schießen die kumpeligen Raubauz-Sprüche und Macho-Behauptungen blitzschnell aus der Hüfte. Simon, Autor ja auch von solchen Klassikern wie „Barfuß im Park“ und dem „Sweet Charity“-Musical, ist, Gott sei Dank, ein meisterlicher Dialog-Tüftler. Und Katja Wolff, klug das Angegraute des fast fünfzig  Jahre alten Stückes erkennend, zwirbelt es hoch zur Groteske: die Poker-Freunde, aufgewühlt durch die Katastrophen-Nachricht von Felix’ Selbstmordabsicht wegen Scheidungswunsch seiner Frau,  mutieren  zu kantigen Comicstrip-Figuren, flott im Synchron-Rhythmus von Sprechblasentext und Bewegung.

Und mitten im sehr komisch arrangierten Umeinandergetanze Leonard Lansink: total cool. Ein gelassen lustvoller Chaot, aber mit Herz für seinen besten Freund, den verlassenen Jammerlappen Felix. Bis dahin (metaphorisch gesprochen) hüpft man schmunzelnd und kichernd mit von Pointe zu schräger Pantomime. Bei Oscar und Felix dann alleine als zechendem Wohn-Paar hängt die Story durch.

Obwohl Heinrich Schafmeister da alle Register des Sauberkeitsfanatikers Felix zu nutzen versucht. Die Krümel-Entsorgung, die aufgedrängte Bekochung Oscars, die Hypochondrie, die Angst vor Erotik – alles da, aber alles zu überspitzt schrill ausgestellt. Was bei der Pokerrunde so schmissig funktionierte, sackt hier ab. Man hofft auf neuen Schwung, wenn Oscar vom Stockwerk obendrüber die beiden attraktiven spanischen Schwestern Hoolya (= Julia) und Ynez zum gemeinsamen „Dinner und mehr“ gewinnen kann. Und Mirjam Radovic und Amor Schumacher sind eigentlich hinreißend sexy, vom echten spanischen Akzent bis zum Endlosbein und kurvigen Formen, die in kleinen Tänzchen auch besonders hübsch zur Geltung gelangen.

Aber, Schitt, das Stück kommt nicht mehr so richtig hoch. Irgendwie erstarrt hier Wolfs Konzept einer Parodie. Oder ging einfach nur das Timing, die Innenspannung verloren? Denn die Crew ist ja schon seit 2011 mit diesem Simon unterwegs. Das Publikum war trotzdem begeistert und spendete rhythmisch klatschenden Applaus.

Malve Gradinger

Weitere Vorstellungen:bis 8. Februar 2014, 20 Uhr; So. 18 Uhr. Passage Promenadeplatz; Tel. 089/29 16 16 33.

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