Wer die Abenteuer von Pinocchio (Philip Dechamps, li.) und Geppetto (Michael Tregor) erleben möchte: Das Residenztheater empfiehlt den Besuch ab sechs Jahren. Foto: fersterer

Für Zuschauer ab Sechs

Premierenkritik: So schön ist "Pinocchio" am Resi

München - Thomas Birkmeir inszenierte im Münchner Residenztheater „Pinocchio“ nach Carlo Collodi. Die Premierenkritik.

Ein Kakerlaken-Ballett eröffnet „Pinocchio“ und gibt den Ton von Thomas Birkmeirs Inszenierung im Münchner Residenztheater vor: Mit Musik und Gesang, fantasievollen Kostümen und in moderner Sprache lässt er Flibbertigibbitt, die „berühmteste Kakerlake der Welt“ (mitreißend gespielt von Gunther Eckes), Pinocchios Geschichte erzählen. Dafür, dass wilde Tänze und schräge Auftritte, feiernde Dorfbewohner und Vergnügungsparkbesucher nicht zu kitschig und banal wirken, sorgt der grandiose Michael Tregor als Gegenpol: In der Rolle des alten Sargmachers Geppetto, dem eine Fee den Wunsch nach einem Sohn mit einer lebenden Holzfigur erfüllt hat, sorgt er für berührend leise Töne. Pinocchio (Philip Dechamps mit herrlich langer Nase) jedoch verlässt Geppetto, um mit dem zwielichtigen Fuchs (Jeff Wilbusch) und Kater (Katharina Pichler) in die Welt zu ziehen.

Die Bilder, die Christoph Schubiger mit Hilfe von Drehbühne und Projektionen erzeugt, und Irmgard Kerstings liebevolle Kostüme runden die gelungene Mischung aus Kindertheater, Musical und Schauspiel perfekt ab. Während Quallen mit fluoreszierenden Regenschirmen zauberhaft durchs Meer schweben, verwandeln sich scheinbar harmlose Dekorationen zu gruseligen Kulissen.

Lesen Sie auch: Blick hinter die Kulissen - Wie bekommt Pinocchio seine lange Nase

Doch nicht nur kleine Zuschauer haben Spaß. Wenn Geppettos Flaschenpost als „dramaturgisch unglaublich notwendiger Zufall“ beschrieben wird und Fantasma (Genija Rykova) eher an „Germany’s next Topmodel“ als an eine Fee erinnert, müssen auch Erwachsene schmunzeln. Bis sich Pinocchio in ein Kind verwandelt, dauert es für ein Kindertheater relativ lange. Dass die Zeit wie im Flug vergeht, beweist aber, dass das Konzept aufgeht: Auch Klassiker, die fast jeder kennt, lassen sich spannend inszenieren. Und das ist nicht gelogen!

Karten unter Telefon 089/ 2185-1940.

Melanie Brandl

 

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