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Premierenkritik

Hölle, Hölle, Hölle: So war die "Rocky Horror Show" in München

München - In München feierte im Deutschen Theater das Musical „Rocky Horror Show“ Premiere

Direkt aus der Hölle scheint er zu kommen, wie er aus dem roten Nebel auf die Galerie tritt. „Sweet Transvestite“ stimmen die Musiker um Dr. Frank’n’Furter an. Er geht die Treppe hinunter zu den Schlossbewohnern und dem jungen Pärchen, in schwarzer Korsage und Strapsen (Kostüme: David Farley). Seine zahlreichen Tätowierungen glänzen, unter der schwarzen Tim-Curry-Gedächtnis-Perücke, die er sich vom Kopf reißt, kommen kurze, weißblonde Haare zum Vorschein.

Rob Fowler spielt zum dritten Mal die Rolle des Frank’n’Furter in Richard O’Briens „Rocky Horror Show“: Das prüde amerikanische Pärchen Janet Weiss und Brad Majors landet nach einer Reifenpanne im Tollhaus der Transylvanier und wird dort in eine Welt aus Sex und Rock’n’Roll hineingezogen. Die Inszenierung von Sam Buntrock (zwei Stunden, eine Pause) macht jetzt auf ihrer Tournee Station im Deutschen Theater in München. Am Mittwoch war Premiere – und die Darsteller wurden mit minutenlangen Standing Ovations und „Zugabe“-Rufen gefeiert. Einige Zuschauer hatten sich natürlich stilecht in „Rocky Horror“-Manier gekleidet und sich die Fan-Tasche mit Wasserpistole, Konfetti und mehr besorgt. So verwischten die Grenzen zwischen Publikum und Bühne: Der ganze Saal war eine wilde, laute, schrille Show.

Im Mittelpunkt stand klar Rob Fowler, der sich mit seinem federnden Gang in roten High Heels zumeist einen zentralen Platz auf der Bühne suchte. Er hatte nicht nur sein Umfeld, sondern auch die Zuschauer unter Kontrolle, die er immer wieder erfolgreich zu noch mehr Applaus und zum Mitmachen aufforderte.

Ihm zur Seite standen eine großartige Maria Franzén als Magenta und ein ebensolcher Matthew Price als Riff Raff. Franzén, in pinker Korsage und mit dazu passendem Hütchen auf den blonden Locken, stimmte die Zuschauer zu Beginn mit ihrer starken, durchdringenden Stimme mit „Science Fiction Double Feature“ auf das Kommende ein.

Wunderbar, wie sich Price, blass geschminkt mit blutroten Lippen (Make-up und Haare: Vanessa White), lasziv an der Säule der Tür rieb, die er dem Pärchen öffnete, und wie er animalisch an Brads zum Gruß ausgestreckter Hand schnüffelte. Den passenden Kontrast zu den Transylvaniern boten Harriet Bunton (Janet) und David Ribi (Brad): Er, die Schultern hochgezogen und sogar seine Boxershorts mit seinen Initialen bestickt. Sie, mit diesem verzweifelten Gesichtsausdruck und quakenden amerikanischen Slang. Warm wurde der Zuschauer erst mit den beiden, als sie sich auf die Rocky-Horror-Welt eingelassen hatten und im passenden Outfit ihre gesanglichen Qualitäten zeigen konnten.

Wie immer eine undankbare Rolle hatte der Erzähler, dessen Auftritt traditionsgemäß mit „Boring!“-Rufen – „Langweilig!“ – quittiert wurde. Im Smoking las Sky du Mont nüchtern aus seinem roten Buch vor. Mit einigen arg zurechtgelegten Sätzen wie „Ich bin so behaart, dass ich mir die Füße rasieren muss, um in meine Schuhe zu kommen“ bekam aber auch er ein paar Lacher ab. Egal, dieser schönen, samtigen Stimme hört man gerne zu. Seine einen tieferen Sinn heuchelnden Worte am Ende hätte es gar nicht gebraucht: „Und auf dieser Erde rennen/ Kreaturen, die sich Menschen nennen.“ Diese Kreaturen hatten einfach höllischen Spaß.

Weitere Vorstellungen bis 22. März sowie von 4. bis 8. August; Telefon 089/ 55 23 44 44.

von Teresa Pancritius

 

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