+
Severin Groebner spielt im neuen Programm mit des Bürgers „Grundbibbern“ Katz und Maus.

Premierenkritik

Severin Groebner in der Lach- & Schieß: Apokalypse – wow!

  • schließen

Severin Groebner begeistert mit „Der Abendgang des Unterlands“ in der Lach & Schieß. Hier ist die Premierenkritik. 

Wir werden von Fremden überrollt, die Viren kommen, und Xavier Naidoo ist drauf und dran, die Weltherrschaft zu übernehmen. Keine gute Prognose, kein Wunder also, dass auch die Mundwinkel (und nicht nur die) des Homo sapiens nur eine Richtung kennen – abwärts. Es geht zu Ende, sagt dieser Prophet, und er muss es wissen, denn er ist Wiener. Dass man dennoch Hoffnung schöpfen darf, lässt sich schon aus dem Titel dieses Programms schließen, „Der Abendgang des Unterlands“. So ironisch ist die gesamte Performance von Severin Groebner, die am Dienstagabend in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft Premiere hatte.

Der Kabarettist im eleganten Abendpyjama ist verliebt in die Liebe des Menschen zum Pessimismus, zum „Ihr-werdet-noch-an-meine-Worte-denken!“. Mit diabolischer Freude präsentiert er allerlei Fantasien vom nahen Weltuntergang (übrigens morgen um 9.48 Uhr), um sie sogleich ad absurdum zu führen. Die Krise als Kontinuum, die Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ – sie sind der rote Faden. Woran noch glauben außer an eine große Verschwörung, wenn einst schon über den römischen Gottvater Jupiter die Zeit hinweggegangen ist und sein Sohn Apollo nun seine Existenz als Optiker fristet?

Groebner schickt sein Publikum in eine Rumpelkammer (zum Glück) versunkener Reiche, zerstört in einer virtuosen Nummer das Dogma von der ethnischen Identität („Meine Nation ist eine Kombination“) und zeigt auf brüllend komische Art, was passiert, wenn sich der pakistanische Taxler in Wien den Sitten seines einheimischen Kollegen anpasst. „Der Abendgang des Unterlands“ (Regie: Massimo Rocchi) ist ein Besuch in der Feindbildergalerie, mit einem kompetenten, charismatischen Führer, der in Wort und Lied mit Bürgers „Grundbibbern“ Katz und Maus spielt, mal leise und mal richtig laut – und manchmal auch recht zynisch. Kein Grund zur Panik, so machen die letzten Tage der Menschheit Spaß. Apokalypse – wow!

Bis 23. September, dienstags bis samstags; Telefon 089/ 39 19 97.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

David Guetta in der Olympiahalle: Unter mega macht er's nicht
David Guetta war am Donnerstag in der Olympiahalle zu Gast und begeisterte einmal mehr sein Publikum. Auch unsere Redakteurin war mit dabei - und fand es einfach nur …
David Guetta in der Olympiahalle: Unter mega macht er's nicht
Der Herr der Klänge
Trauer um Christian Burchard, Herz der Band Embryo und einer der wenigen echten Weltstars aus München, der mit 71 Jahren gestorben ist.
Der Herr der Klänge
Fire and Fury - ein amerikanisches Sittengemälde
Wird sich Michael Wolffs Bilanz des ersten Jahres der Donald-Trump-Regentschaft auch in Deutschland gut verkaufen? Und ob. Die englischprachige Originalversion ist …
Fire and Fury - ein amerikanisches Sittengemälde
„Kulturzeit will helfen, die Welt zu mögen“
Zuschauer des BR-Fernsehens kennen Vivian Perkovic von den Sendungen „Jetzt mal ehrlich“, „Puls“ und „on3-Südwild“. Seit einem Jahr ist die 39-Jährige, die etwa auch …
„Kulturzeit will helfen, die Welt zu mögen“

Kommentare