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Ein rauschender Erfolg: Das Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York.

"Ich war noch niemals in New York"

Premierenkritik: Udo Jürgens hätte einen tollen Abend gehabt

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München - Das Deutsche Theater feiert einen großen Erfolg mit dem Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“.

Falls Udo zugeschaut hat, dann hatte er einen fantastischen Abend dort oben auf seiner Wolke. Genau wie das Publikum im Deutschen Theater. Denn die München-Premiere des Udo-Jürgens-Musicals „Ich war noch niemals in New York“ war ein rauschender Erfolg. Seit 2007 ist das Stück jetzt schon unterwegs und wirkt trotzdem taufrisch wie Udo damals 1966 beim Grand Prix. Da riecht nichts nach Bohnerwachs und Spießigkeit, da kommen Musical-Fans ebenso auf ihre Kosten wie Musical-Skeptiker. Und wer nach drei Stunden rausgeht, würde am liebsten am nächsten Tag gleich wieder reingehen. Eine Show wie ein Lied von Udo: Gerne öfter!

Was die Macher an Detailverliebtheit auf die Bühne zaubern, ist nämlich an einem einzigen Abend kaum zu erfassen. Es passiert so viel wie auf einem Wimmelbild von Ali Mitgutsch. Und der typischste Satz des Abends lautet garantiert, geflüstert zum Sitznachbarn: „Du schau’ mal, hast Du das gesehen?“ Dabei ist die Handlung nicht einmal überkomplex. Ein bisserl Traumschiff, ein bisserl Screwball-Comedy aus dem alten Hollywood, ein bisserl „Tür auf, Tür zu“-Boulevardtheater – doch aus dem simplen Stoff erwächst großartige Unterhaltung. Im Endeffekt dient die Geschichte ja ohnehin nur dazu, die Udo-Hits singen und spielen zu dürfen, was die Darsteller und das Live-Orchester unter Dirigentin Rebecca Lang herausragend hinbekommen. Die Gassenhauer, umgeschrieben für Ensemble und Frauenstimmen – erstaunlich, wie selbstverständlich das klingt, als habe es der große Meister immer so gewollt.

Die Ahoi-Sause auf dem Atlantik: Talkshow-Tante Lisa Wartberg, von Sarah Schütz wunderbar schnepfig gespielt, plappert im Fernsehen zwar gerne über den Umgang mit Senioren. Doch ihre eigene Mutter Maria (Ellen Kessler) hat sie ins Heim abgeschoben. Dort verguckt sich die rege alte Dame in ihren Runzel-Romeo Otto (Gunter Sonneson). Die beiden türmen nach New York, wo sie noch niemals waren. Wartberg jr., die Maybrit Illner der Schwanthalerstraße, hechelt mit Ottos Sohn Axel (Karim Khawatmi) samt dessen Filius Florian im Schlepptau hinterher. Auf dem Dampfer viel amüsante Aktion und prächtige Dialoge. Mama Maria schnarrt, als sie endlich über ihre Tochter stolpert: „Die Stimme kenne ich – aus dem Fernsehen!“ Ellen Kessler, die sich die Rolle bis Ende Oktober mit ihrer Zwillingsschwester Alice teilt, agiert bei der Premiere altersweise, nonchalant und schön schnippisch: „Direkt nach einer Bypass-OP nach New York? Egal, ich will ja nicht hinschwimmen.“

Am Schluss kriegen sich alle – doch bis zum Very Happy End darf gestaunt werden. Da zeigt die überdimensionale Animation eines Navigationsgerätes Lisas und Axels abenteuerlichen Trip von Hamburg zum Zwischenstopp nach Genua – allein diese sensationelle Sequenz, in der die italienische Autobahn „Autostrada imposante“ heißt, würde man gern fünfmal sehen, um kein Detail zu versäumen. Da wird aus der wilden Ehe, die heute keinen mehr irritieren würde, ein schwules Paar. Da klingt Hauptdarsteller Karim Khawatmi, ohne zu imitieren, oft so atemberaubend nach Udo, dass er für Gänsehaut sorgt.

Es gäbe noch so viel zu erzählen, von der herrlich kitschpinken Schiffskulisse oder von der Stimme von Thomas Gottschalk, die plötzlich aus dem Off zu hören ist. Aber das Gescheiteste wird sein: Schauen und hören Sie sich’s an. Ein Musical, aber bitte mit Sahne. Der beste Udo, seit Udo nicht mehr da ist.

Vorstellungen bis 3. Januar 2016; Karten unter Tel. 089/ 55 23 44 44.

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