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Zwar landet Sophie (Dominique Lorenz) in seinem Bett, doch Bertrand (Michael Schanze) ziert sich dennoch.

Premierenkritik: „Vier linke Hände“

München - Dominique Lorenz und Michael Schanze sind in „Vier linke Hände“ in der Komödie im Bayerischen Hof zu sehen. Mit viel trockenem Humor kommen sich die erfolglose Selbstmörderin und ihr Nachbar näher. Eine Kritik:

„Harmlos, von denen müssen Sie nur kotzen“, stellt Nachbar Bertrand ungerührt fest und empfiehlt der erfolglosen Selbstmörderin ein echt tödliches Mittel. Auf diesem trockenen Ton geht die Komödie „Vier linke Hände“ von Boulevard-Könner Pierre Chesnot in die erste Runde. Noch ein wenig gebremst (Premieren-Lähmung?). Aber in den weiteren Runden dieses Matches um Aufmerksamkeit und, ja doch, Liebe spielen sich Dominique Lorenz und Michael Schanze allgemach in die sympathische Beziehungsrage, die eine Zweisamkeit letztlich vor Routine bewahrt. Viel Applaus in der trotz des WM-Halbfinales Deutschland gegen Spanien gut besetzten Münchner Komödie im Bayerischen Hof.

Paris im August. Menschenleer die Stadt, deren trist graue Kulisse durchs großzügige Veranda-Fenster zu sehen ist (Bühne: Thomas Pekny) - und Sophie wieder mal in Selbstmordstimmung. Darin versackt, vergisst sie auch noch das Badewasser abzudrehen. Und jetzt steht Bertrand pitschnass in ihrer Tür, weil die untere, also seine Wohnung überschwemmt ist. Das könnte ER sein!, fühlt Sophie. Und da Freundin Susanne ihr via Skype befohlen hat, mal weniger selbstbezogen zu sein, fährt sie alle Waffen der zur Eroberung entschlossenen Single-Frau auf: Sie bekocht ihn, serviert poposchwenkend im knallengen Tigermuster-Kleid (Kostüme immer fesch von Christl Stützinger) ihre exotisch scharfen Gerichte, landet bei erneutem Todessprung, glücklicherweise, lediglich auf seinem Balkon. Und dann in seinem Bett - allerdings mit Bertie noch stur nebenan auf der Couch!

Wenn es Dominique Lorenz im Laufe des Abends immer besser gelingt, all die theatral doch weidlich übertriebenen Jagd- und Fang-Strategien als selbstverständliche Boulevard-Bravour rüberzubringen - hinreißend die Afro-Comic-Tanznummer -, dann liebt man Michael Schanze dafür, wie er störrisch langsam, aber dann schließlich doch den Panzer seines penibel auf Ruhe und Regelmäßigkeit gepolten Bertrand löst. Den Show- und Moderator-Schanze lässt er nur kurz und dezent aufblitzen, wenn er mit dem Publikum (speziell mit dem Kollegen Joachim Fuchsberger) parliert.

Fazit: Regisseur Karl Absenger konnte sich auf seine beiden Komödianten verlassen. Hat aber noch das spezielle Verdienst, dass er den Autor genau gelesen hat. Denn bei aller Unglaubwürdigkeit der Theatersituationen hat Chesnot in sein Stück Alltags-Wirklichkeit hineingeschrieben: Ob Single-Frau oder -Mann, die ergänzende Hälfte wird ersehnt. Auch wenn sie letztlich nie so ganz aufs eigene Profil passt. Drum fliegen hier auch nach dem Happy-End nochmal tüchtig die Fetzen. Was für überraschende Konsequenzen solche Temperamentsausbrüche haben können, muss der künftige Zuschauer selbst herausfinden.

Weitere Vorstellungen

bis 4. September;

Telefon 089/ 29 16 16 33.

Von Malve Gradinger

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