Für Pressluftgeiger

- Bei Rockkonzerten kommt manchmal der erste Teil unbeabsichtigt besser zur Geltung als das Hauptprogramm. Dass beim extrem ambitionierten musica-viva-Abend in der Münchner Muffathalle solche Assoziationen auftauchten, lag nicht nur an der Deep-Purple-Adaption. Denn im zweiten Teil folgte ab 22 Uhr noch das 120-Minuten-Epos von Bernd Thewes "Wait for the Ricochet" (Warten auf den Aufprall) _ ein "trans-konzertantes Ereignis für Pressluftgeiger, Streichquartett und Klanginstallation nach dem Song ,Child in time der Rockgruppe Deep Purple".

<P>Das Wandelkonzert (ohne Bestuhlung) ist ein "Work in Progress", eine Mischung aus Kammermusik, Vernissage und Klanginstallationen wie die eher sanft durch Pressluft impulsierten Streichblock-Konstruktion von Christoph Lahl oder einer Kassettenrekorder-Ansammlung. </P><P>Und dem setzte sich nur noch ein Teil des Publikums aus. In der immer kleiner werdenden Schar versuchte mancher, anhand des Organigramms im Programmheft der zeitlichen Disposition und den Richtungswechseln im oft monotonen Klangnetz zu folgen. Ein Ausdauerprogramm fürs Publikum und das engagierte "Frankfurt Contemporary String Quartet".<BR><BR>Bereits im ersten Teil bewiesen die vier Musiker ihre Präzision und Kondition anhand von Dietmar Wiesners temporeichem "Zong" für Streichquartett und CD-Zuspielung sowie Cathy Millikens eher filigran angelegten "6 Memos für Streichquartett und Flöte" (Flöten: Dietmar Wiesner). Das unterhaltsamste Werk war Hermann Kretschmars "Plötzlich ging die Sonne aus" für Streichquartett und Stimme nach Texten von Konrad Bayer.<BR><BR>Genre-Springer Ilja Richter erwies sich dabei, sprachlich wie sprechgesanglich, als facettenreicher Interpret der vertonten zeitgenössischen Gedichte Bayers über unterschiedlich kolorierte Befindlichkeiten des Lebens zu einer gefälligen Musik. "Erstens will ich fröhlich sein, zweitens mich vergnügen, das sollte doch genügen."Dorothea Hußlein<BR></P>

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